Dreier´s Bücherwelt: Endlich Wochenende


   Ben hatte sie zum Rastplatz im Wald des Todes transportiert. Von dort aus wollten sie durch den Geheimtunnel in den Palast gehen.

   »Wie haben die es nur geschafft, alle Bewohner von Sondrum hier her zu bekommen?«, wunderte sich Lisa.

   »Sie müssen alle Magier dafür eingesetzt haben. Nur so konnten sie es schaffen.«

   »Was bezweckt der König damit?«

   »Er sucht wohl uns.«

   Sie suchten den Eingang des Geheimtunnels und machten sich auf den Weg in den Palast. Als sie an der Geheimtür im Kerker ankamen, hörten sie Stimmen.

   »Sie haben sie in den Kerkern eingesperrt.«

   »Dann müssen wir einen anderen Weg suchen.«

   Ben versuchte eine Verbindung zu Jaso aufzubauen, was ihm aber nicht gelang. Um den Kerker schien es einen Schutzbann zu geben. Lisa ging zu Ben.

   »Kannst du uns nicht in die Geheimkammer des Königs bringen? Vielleicht finden wir dort heraus, was er vorhat.«

   Ben und Sven nickten zustimmend. Ben transportierte alle in die Geheimkammer des Königs. Bevor sie dort erschienen, wendete Ben den Unsichtbarkeitszauber an. Die Kammer war leer, die Karte lag immer noch auf dem Tisch. Sie sahen sich die Karte an, konnten aber nichts Ungewöhnliches erkennen. Sie hatte sich seit dem letzten mal nicht verändert. Sie gingen in die Schlafkammer des Königs: Auch diese war leer. In einer Ecke stand eine Truhe, die Lisa öffnete. Sie durchsuchte die Truhe, in der Hoffnung irgendeinen Hinweis zu finden, fand aber nur Gewänder des Königs. Sven durchsuchte einen Schrank und Ben den Frisiertisch; auch sie fanden keinen Hinweis darauf, was der König vorhatte.

   »Das war wohl nichts«, meinte Sven enttäuscht.

   In diesem Augenblick öffnete sich die Tür und der König trat ein.

   »Wachen!«, schrie dieser, als er die Drei sah.

   Die Wachen kamen augenblicklich und stellten sich beschützend vor den König. Ein Magier, der ebenfalls hereinkam, legte sogleich einen Schutzbann um die Drei. Alles ging so schnell, dass Ben es nicht schaffte, sie rechtzeitig woanders hin zu transportieren. In der Zwischenzeit kam ein weiterer Magier herein.

   »Endlich hab ich euch«, sagte der König zufrieden und ging langsam auf die Drei zu. »Ihr dachtet wohl, ich bekomme euch nicht. Wachen, die anderen brauche ich nicht mehr, ihr könnt mit ihnen machen, was ihr wollt.«

   Die Wachen verließen den Raum, nur die Magier blieben.

   »Ihr dachtet wirklich, ich kenne die Geschichte nicht und lasse zu, dass ihr mich tötet? Für wie dumm haltet ihr mich eigentlich?«

   Sven wollte gerade etwas sagen, da fuhr ihm der König ins Wort.

   »Schschscht, ich weiß, wer du bist. Du bist der, den ich immer verprügelt habe? Ja, Sven, ich habe es nicht vergessen, auch nach all den Jahren hier. Wie viel Zeit ist wohl dort vergangen? Eine Woche oder zwei? Ist auch egal.«

   Der König unterhielt sich eine Zeit lang mit den Dreien, dann sagte er zu den Magiern: »Passt gut auf die Drei auf. Morgen werden wir sie hinrichten.«

   Danach verließ er die Kammer und ließ sie mit den Magiern allein. Kurze Zeit später verstärkten die Magier den Schutzbann und gingen ebenfalls aus der Kammer.

   

   »Was machen wir jetzt?«, fragte Lisa. »Ben, kannst du den Bann durchdringen?«

   »Das hab ich schon versucht, er ist zu stark.«

   »Ich hab da eine Idee. Du hast aber nur eine Gelegenheit. Wenn sie mich hier raus lassen, dann musst du es versuchen. Hallo, ich muss mal!«, rief Lisa, doch die Magier kamen nicht. »Ich kann es nicht mehr lange halten. Ich muss ganz dringend!«

   Einer der Magier kam herein.

   »Was ist hier los?«

   »Ich muss ganz dringend.«

   Der Magier rief den Zweiten herein. Gemeinsam legten sie um Lisa einen weiteren Bann, dann befahlen sie ihr in ihre Richtung zu gehen. Lisa ging auf die Magier zu. Als der äußere Schutzbann den um Lisa berührte, gab es ein leises Knistern. In diesem Augenblick sammelte Ben seine Kräfte und schleuderte einen gewaltigen Blitz in Richtung der beiden Magier. Der Blitz durchbrach den Schutzbann und traf die Magier. Diese verloren die Verbindung zum Schutzbann, wodurch dieser zusammenbrach. Ben rannte zu ihnen und versetzte sie in Tiefschlaf. Es hatte funktioniert, sie waren frei.

   »Jetzt müssen wir in den Kerker und die anderen befreien«, sagte Lisa.

   »Geh du alleine, wir kümmern uns um den König«, sagte Sven und nickte Ben zu.

   Lisa machte sich allein auf den Weg. Zum Schutz umgab Ben sie mit einem Zauber, was Lisa aber nicht bemerkte.

   Sven und Ben suchten den Palast nach dem König ab. Auf dem Weg durch den Palast mussten sie sich mehrmals vor Wachen und Magiern verstecken. In einem Seitengang vor einer Tür standen zwei Wachen: Dort vermuteten sie den König. Ben ließ die Wachen mit einem Zauber einschlafen, dann gingen sie zur Tür. Sven horchte, konnte aber nichts hören. Langsam öffnete er die Tür und schaute hinein. In dem Raum stand ein Bett, darin lag der König und schlief. Sven und Ben gingen in die Kammer und schlossen die Tür. In diesem Augenblick schnellte der König vom Bett hoch und rief seine Magier. Diese kamen aus einer Seitentür, die Sven und Ben nicht bemerkt hatten. Ben versuchte, die beiden Magier außer Gefecht zu setzen, diese wehrten sich aber gekonnt. Ben hatte Mühe die Magier auf Distanz zu halten. Es war ein erbitterter Kampf, bei dem Angriffs- und Abwehrzauber angewendet wurden. Der König und Sven mussten aufpassen, dass sie nicht von den Zaubern getroffen wurden. Der König nutzte die Unachtsamkeit von Sven und schlich durch die Tür hinaus, durch die die Magier gekommen waren. Als Sven dies bemerkte, folgte er ihm. Ben war immer noch damit beschäftigt, beide Magier in Schach zu halten. Als Sven die Tür erreichte und hindurchging, sah er noch, dass einer der Magier zu Boden sank.

   Hinter der Tür befand sich ein langer Gang, der mittels Magie beleuchtet wurde. Sven rannte so schnell er konnte, aber der Gang schien nicht enden zu wollen. Nach etwa zwei Minuten ging es nicht mehr weiter: Der Gang war durch eine Tür verschlossen. Sven öffnete diese und sah hinaus. Die Tür führte in einen Wald, den Sven nicht kannte. Er vermutete, dass es der Wald des Todes war. Aber war der König wirklich so verrückt? Langsam ging Sven weiter, dabei sah er auf den Boden und folgte den Fußspuren, die der König hinterlassen hatte. Vor ihm war eine Lichtung zu erkennen, auf die die Fußabdrücke führten. Sven lief zu der Lichtung und sah den König. Er stand vor einem riesigen porösen Findling, der mitten auf der Lichtung lag. Sven blieb abrupt stehen, als der König einen Bogen anhob und auf ihn zielte.

   »Verschwinde, oder ich werde dich töten! Geh zu deiner Familie und vergiss alles, was du hier gesehen hast!«

   Sven konnte nicht glauben, was er da hörte. Unauffällig, so dass der König es nicht bemerkte, nahm er seinen Dolch aus der Scheide und ging auf den König zu.

   »Bleib stehen, oder ich schieße!«

   Sven blieb stehen, er war noch etwa fünfzehn Meter vom König entfernt. Plötzlich schleuderte Sven den Dolch in die Richtung, in der der König stand, gleichzeitig sprang er zur Seite. Der König ließ den Pfeil los, der in Richtung Sven flog und ihn nur knapp verfehlte. Im Fallen sah Sven noch, dass der Dolch am König vorbei flog und in einer Spalte im Felsen stecken blieb. Der König nahm einen weiteren Pfeil und schoss erneut. Sven konnte auch diesem Pfeil nur knapp ausweichen, noch am Boden liegend versuchte er in Deckung zu gehen. Hinter einem Baum stemmte er sich wieder auf die Beine und verbarg sich dort.

   »Komm heraus, du Feigling! Du kannst mich nicht besiegen!«, schrie der König.

   Sven überlegte, was er tun könnte. Der Dolch war im Stein, aber er hatte noch seinen Bogen. Durch die Ausweichmanöver hatte er allerdings einige Pfeile verloren. In seinem Köcher befanden sich nur noch vier Pfeile.

   »Was mach ich jetzt nur?«

   Er nahm den ersten Pfeil und legte ihn in den Bogen, spannte diesen, drehte sich zum König und schoss. Sogleich drehte er sich wieder hinter den Baum. Der König lachte, als der Pfeil ihn verfehlte. Sven nahm den zweiten Pfeil und schoss wieder. Auch dieser verfehlte sein Ziel, so wie der Dritte.

   »Wo hast du denn schießen gelernt?«

   Sven hatte nur noch einen Pfeil. Er setzte den Pfeil in die Sehne und spannte den Bogen. Darauf hin kam er mit gespanntem Bogen hinter dem Baum hervor. Der König hatte ebenfalls seinen Bogen gespannt und zielte auf Sven. Sven zielte so genau er konnte und ließ den Pfeil seinem Ziel entgegen. Zur gleichen Zeit verließ der Pfeil des Königs den Bogen. Beide Pfeile schienen aufeinander zu zufliegen, jedoch verfehlten sie sich und flogen weiter auf ihre Ziele zu. Wieder verfehlte Svens Pfeil den König und bohrte sich in den Felsen. Der Pfeil des Königs verfehlte sein Ziel jedoch nicht. Er traf Sven in der rechten Brust. Ein heftiger Schmerz ließ Sven aufschreien und die Wucht des Pfeils schleuderte ihn nach hinten. Als Sven am Boden lag und zum König sah, bemerkte er, dass sich etwas am Stein veränderte. Alle vier Pfeile, die Sven abgeschossen hatte, steckten im Halbkreis im Stein hinter dem König. Zwischen den Pfeilen bildete sich ein Lichtbogen, der immer heller wurde. Einen Augenblick später waren der König und die Pfeile verschwunden. Sven verlor das Bewusstsein, noch bevor er richtig begriff, was geschehen war.

   

   Ben hatte Mühe, die Magier unter Kontrolle zu halten. Einen der Magier hatte er bereits ausgeschaltet, der Zweite wehrte sich geschickter. Ihn konnte Ben nicht so einfach besiegen. Das Gefecht wurde immer heftiger. Ben konnte sich vor Anstrengung kaum noch auf den Beinen halten. Seine Kräfte ließen langsam nach. Sein Gegner hatte ihm gerade einen Zauber entgegen geschleudert, der seinen Schutzschild zusammenbrechen ließ. Ben war nun ohne Schutz vor Angriffen. Da holte der Magier erneut zu einem Schlag aus. Ben sah, wie ein gewaltiger Blitz auf ihn zuraste. Der Blitz kam so schnell auf ihn zu, dass er kaum Zeit hatte einen Gegenzauber zu formen. Da spürte er etwas Hartes an seiner Brust: Es war der Stein, den sein Ausbilder ihm zum Abschied gegeben hatte. Der Blitz hatte Ben fast erreicht, es blieben ihm nur noch wenige Augenblicke, bevor er ihn treffen würde. Ben spürte bereits die Gewalt, die in dem Blitz steckte. Sollte er treffen, wäre dies sein Ende. Ben ergriff den Beutel um seinen Hals, öffnete ihn, fasste hinein und holte den Stein hervor. Da er nicht genau wusste, was er damit anfangen sollte, nahm er seine letzten Reserven und sendete diese in den Stein. Als seine Energie den Stein traf, hatte ihn der Blitz des Magiers bereits erreicht. Der Blitz des Magiers leckte an der Haut von Ben. Der Stein in seiner Hand fing an zu glühen und umgab Ben mit einem seltsamen Licht. Der Blitz traf auf den Lichtschein und wurde zurück zu seinem Ursprung gelenkt. Dort traf er den Magier mit voller Wucht. Ben sah nur noch, dass sich der Magier auflöste, bevor er das Bewusstsein verlor.

   Wie lange Ben so da lag, wusste er nicht. Irgendwann wachte er auf und sah sich um. Ihm tat alles weh, er fühlte sich wie ausgelaugt. Plötzlich fiel ihm Sven wieder ein. Ben stand auf und ging zu der Tür, durch die Sven verschwunden war. Am Ende des Ganges angekommen, trat er ins Freie und blickte sich um. Er fand Fußspuren, denen er folgte. Auf der Lichtung angekommen, sah er den Findling. Als er näher heranging, entdeckte er den Dolch, den Sven immer bei sich trug.

   »Sven! Sven! Wo bist du?!«, rief er immer wieder und suchte die Gegend ab.

   Nach zwei unendlichen Minuten des Bangens fand er ihn am Boden liegend. Er eilte zu ihm und untersuchte ihn. Ein Pfeil steckte in Svens rechter Brust. Da Ben noch nicht kräftig genug war, um Sven zu heilen, versuchte er, ihn in den Palast zu tragen. Aber auch das erwies sich als unmöglich: Seine Kräfte waren verbraucht. In seiner Verzweiflung sendete er einen Hilferuf an alle, die ihn hören konnten. Ben trug Sven weiter Richtung Palast, aber seine Kräfte ließen immer mehr nach. Er konnte Sven gerade noch auf den Boden legen, bevor er selbst vor Erschöpfung zusammenbrach.

   

   »Wie geht es Sven?«, fragte Lisa.

   »So weit gut. Er hat viel Blut verloren, aber er wird wieder«, sagte Jaso und ging zu Ben.

   »Ben, wach auf.«

   Ben fiel es schwer die Augen zu öffnen: Die Erschöpfung war zu groß.

   »Ben, wach auf.«

   Er versuchte es noch einmal. Langsam öffnete er die Augen. Das Licht blendete ihn so stark, dass er versuchte eine Hand vor die Augen zu halten. Aber sein Arm wollte ihm nicht gehorchen. Plötzlich wurde das Licht dunkler. Langsam öffnete Ben die Augen.

   »Hallo Ben. Da bist du ja wieder.«

   Ben versuchte sich aufzurichten, aber etwas hielt ihn zurück.

   »Jaso? Was ist mit Sven?«

   »Ihm geht es gut. Er liegt dort drüben.«

   Ben sah zu der Stelle, auf die Jaso zeigte. Dort war ein Bett, in dem jemand lag. Wer es war, konnte er nicht erkennen.

   »Was ist mit dem König und den anderen?«

   »Wo sich der König befindet, wissen wir nicht, den anderen geht es gut. Lisa konnte uns alle befreien, aber das kann sie dir später selbst erzählen.«

   Ben versuchte sich noch einmal aufzurichten.

   »Bleib liegen, du brauchst noch Ruhe«, sagte Jaso und hielt Ben davon ab.

   Ben fügte sich, er konnte seine Augen kaum noch offen halten. Nach ein paar Minuten fielen sie ihm zu und er schlief ein.

   

   Nach drei Tagen ging es Ben so gut, dass er wieder aufstehen durfte. Sven lag immer noch im Krankenbett, er hatte hohes Fieber. Ben ging zu ihm und wollte gerade mit einem Heilzauber beginnen, als Jaso rief: »Ben! Nein! Du bist noch zu schwach. Er wird es auch ohne schaffen.«

   »Kannst du ihn nicht ...?«

   »Das habe ich bereits. Es dauert noch etwas, bis das Fieber wieder weg ist.«

   Jaso ließ Ben wieder allein. Ben setzte sich zu Sven, als dieser die Augen öffnete.

   »Hallo Ben. Haben wir es geschafft?«

   »Du hast es geschafft.«

   Sven versuchte sich aufzusetzen, doch er war noch zu schwach.

   »Kannst du mir etwas Wasser geben?«

   Ben nickte nur, nahm die Schale mit Wasser, die auf dem Tisch neben dem Bett stand, und gab sie Sven. Dieser versuchte im Liegen zu trinken, was ihm aber nicht gelang. Ben half ihm sich aufzusetzen und führte danach die Schale an seinen Mund.

   »Danke«, sagte Sven, nachdem er getrunken hatte, und legte sich wieder hin.

   Ben sah sich um, dann legte er seine Hand auf Svens Stirn. Der Heilzauber floss in Svens Körper und gab ihm etwas von der Kraft zurück, die er durch die Verletzung verloren hatte. In diesem Augenblick kam Salu in die Hütte. Er sah, was Ben tat, und eilte zu ihm, nahm seine Hand von Svens Stirn und zog ihn vom Bett weg.

   »Bist du verrückt? Dafür bist du noch viel zu schwach!«

   Doch das hörte Ben nicht mehr, er war bereits bewusstlos.

   »Jaso!«, rief Salu. »Komm schnell, Ben hat wieder versucht zu heilen.«

   Jaso rannte in die Hütte und sah sich Ben an, den Salu bereits in sein Bett gelegt hatte.

   »Dummer Junge«, sagte Jaso und schüttelte den Kopf. »Wahrscheinlich muss ich ihn ans Bett fesseln, bis er wieder vollkommen genesen ist.«

   

   Ben öffnete langsam die Augen.

   »Hallo Ben.«

   »Sven, du? Was ist passiert?«

   »Du hattest dich wieder verausgabt. Du hast vier Tage geschlafen. Mach so etwas nie wieder.«

   Ben richtete sich auf und sah sich Sven an. So weit Ben sehen konnte, ging es ihm gut. Er streckte seine Hand aus und wollte gerade Svens Stirn berühren, als dieser seinen Arm wegstieß.

   »Lass das, oder soll dich Jaso wieder einschlafen lassen?«

   Ben zog seine Hand zurück, da kam Jaso herein.

   »Aha, wie ich sehe, geht es dir wieder besser. Er hat es wieder versucht, oder?«

   »Ja, aber ich konnte ihn diesmal zurückhalten.«

   Ben sah die beiden mit offenem Mund an.

   »Darf ich jetzt aufstehen?«

   »Ja, aber nur wenn du versprichst, in der nächsten Zeit keine Magie anzuwenden.«

   

   Am Abend saßen alle zusammen und erzählten sich, was sie während des Kampfes erlebt hatten. Nachdem Lisa, Sven und Ben ihre Geschichten dargeboten hatten, ging Sven zu Garti.

   »Warum hast du mir den Dolch und den Bogen zukommen lassen?«

   Garti sah zuerst Sven an, dann schaute sie in die Runde. Alle hatten einen fragenden Gesichtsausdruck. Garti fing an zu erzählen.

   

   »Vor mehr als tausend Jahren wurden der Dolch und der Bogen geschaffen, um in einem Notfall die Türen verschließen oder öffnen zu können. Durch einen abtrünnigen Magier wurden die Handelsbeziehungen zwischen den Welten gestört. Daraufhin hatte man beschlossen, die Türen für immer zu schließen. Den Bogen, den man zum Öffnen der Türen benötigt, hatte man vom Dolch getrennt. Beide Artefakte sollten von diesem Zeitpunkt an von unterschiedlichen Personen bewacht werden. Damit die Durchgänge nicht durch Gauner und Betrüger benutzt wurden, wurde eine Person zur Aufsicht in die Tunnel geschickt. Zusätzlich belegte man die Tunnel mit einem Bann, der besagte, dass sich immer eine Person in den Tunneln befinden musste. Diese Person musste alle dreißig Jahre ausgetauscht werden, damit der Bann nicht alles zerstörte. Das Wissen um die Fähigkeiten des Dolchs und des Bogens geriet im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Wir haben es dabei belassen, da wir dachten, es sei das Beste für unser Land.«

   Die Anwesenden sahen Garti erstaunt an.

   »Oh nein, so alt bin ich nun doch nicht. Unsere Familie hatte damals den Auftrag bekommen, Bogen und Dolch in Verwahrung zu nehmen. Zuletzt hatte mein Bruder Sirius den Bogen und ich den Dolch.«

   »Das kann nicht sein, ich habe nie einen solchen Bogen bei ihm gesehen«, protestierte Ben.

   Plötzlich trat ein Mann hinter Garti hervor.

   »Das konntest du auch nicht, ich hatte ihn an einem sicheren Ort verwahrt.«

   Ben sah den Mann fassungslos an. Er erkannte die Stimme, konnte es aber nicht glauben. Ben stand auf und ging langsam auf den Mann zu.

   »Sirius? Bist du das?«

   Alle Anwesenden starrten auf die Gestalt, die mit ausgestreckten Armen neben Garti stand.

   »Ja. Ich bin es.«

   Ben lief zu Sirius und fiel ihm in die Arme. Beide hatten Tränen in den Augen. Ben schluchzte zuerst nur, dann fing er an zu weinen. Sirius umarmte ihn so liebevoll er konnte und tröstete ihn dabei.

   »Ist schon gut. Beruhige dich, ich werde dir alles erklären.«

   In der Zwischenzeit war Sven ebenfalls zu Sirius geeilt. Er konnte nicht glauben, was er da sah, hatte er doch gesehen, wie Sirius starb und ihn dann beerdigt. Es dauerte einige Zeit, bis sich alle wieder gefasst hatten.

   »Wieso?«, fragte Ben kopfschüttelnd und starrte dabei Sirius mit verweinten Augen an.

   »Die Magier hatten mich so schwer verletzt, dass ich ohne Gartis Hilfe nicht überlebt hätte. Sie hatte gespürt, dass ich in Gefahr war, und mich in einen todesähnlichen Schlaf versetzt. Leider konnte sie mich zu diesem Zeitpunkt nicht zu sich holen oder dir sagen, was mit mir los war, da die Magier noch zu nahe waren. Sie hätten den Transport oder die Nachricht an dich mitbekommen und damit nicht nur Garti, sondern auch dich und Sven in Gefahr gebracht. Erst am nächsten Tag konnte sie mich ohne Gefahr holen und heilen.«

   »Ich konnte euch nicht sagen, dass Sirius noch lebte. Man hätte dies bei eurer Gefangennahme herausgefunden und damit alle in Gefahr gebracht«, warf Garti ein.

   »Es war auch für mich nicht einfach, ich konnte euch schließlich nur als Geist beistehen.«

   »Dann warst du das wirklich?!«, rief Sven überrascht.

   »Ja. Dies war der einzige Weg zu helfen, ohne euch in Gefahr zu bringen.«

   »Jetzt aber zu deiner Frage, Sven. Zuerst dachte ich, in Lisa die Richtige gefunden zu haben. Ich wusste, dass sie Hilfe benötigen würde, deshalb habe ich dich zu ihr geschickt, Ben.«

   Ben wurde blass, als er erfuhr, dass Garti schon immer von seinen Fähigkeiten wusste. Gerade als er etwas sagen wollte, sprach sie weiter.

   »Ich wusste, dass du sie beschützen würdest, egal was auch passiert. Allerdings wurde sie im Palast gefangen, bevor ich ihr den Dolch und den Bogen habe zukommen lassen können. Dann habe ich dich gefunden und hierher geholt, Sven. Wie sich herausgestellt hat, war dies die richtige Entscheidung gewesen.«

   Lisa und Sven starrten Garti verständnislos an.

   »Du hast uns hierher geholt?«, fragte Sven schließlich.

   »Ja. Ich sah in dir einen Jungen, der stark genug war, die Prophezeiung zu erfüllen. ...«

   Garti erzählte, dass es in der Prophezeiung darum ging, dass eine Person aus der anderen Welt der Tyrannei im Land ein Ende setzen würde. Es stand aber auch geschrieben, dass sie dies nicht allein tun würde. An ihrer Seite sollte es zwei weitere Personen geben, wobei eine davon aus dem Land des Ostens stammen sollte. Garti hatte in Ben diese Person gesehen und Lisa sollte die Dritte im Bunde sein.

   »... Aus diesem Grund habe ich dir den Dolch und den Bogen gegeben.«

   Sven war zuerst sprachlos. Er versuchte, die richtigen Worte zu finden.

   »Aber … dann …?«, stammelte Sven.

   »Alles war so, wie es sein sollte. Du musstest die Abenteuer überstehen, damit du an dich selbst glaubst. Hätte ich dir gesagt, warum du hier bist, hättest du sicherlich nicht daran geglaubt es auch schaffen zu können. Soweit ich weiß, hast du in deiner Welt die Schlacht ebenfalls für dich entscheiden können?«

   »Aber was ist mit mir?«, platzte Lisa dazwischen.

   »Du warst nicht wirklich blind. Es war nur eine Blockade, hervorgerufen durch den Tod deiner Mutter. Du brauchtest nur jemanden, dem du vertrauen konntest, und den hast du in Sven gefunden. Die eingesetzte Magie war nur Mittel zum Zweck, eigentlich war es nichts weiter als eine elektrische Entladung und etwas Glück.«

   Lisa sah verlegen zur Seite, als sie den Blick von Sven bemerkte. Er nahm ihre Hand und streichelte sie.

   »Dann hast du mir auch den Brief zugesteckt?«, fragte Sven an Garti gerichtet.

   »Nein. Das war ich«, sagte Sirius.

   Im Laufe des Abends beantworteten Garti und Sirius noch viele Fragen, die Lisa, Sven und Ben ihnen stellten.

   »Wohin ist der König eigentlich verschwunden?«, fragte Sven Garti.

   »Mit dem Bogen kann man nicht nur Türen öffnen, man kann auch welche entstehen lassen. Genau das ist auf der Lichtung geschehen. Nur sind diese Türen instabil und fallen sehr schnell in sich zusammen. Der König ist wahrscheinlich durch die entstandene Tür gezogen worden, als diese zusammenbrach. Wo sich der König jetzt befindet, das weiß niemand.«

   »Was wird jetzt aus diesem Land, ohne König?«, fragte Lisa.

   »Dieses Land hat einen König. Er muss nur noch damit einverstanden sein«, sagte Garti und sah zu Sven.

   »Ich kann das auf keinen Fall«, wehrte Sven schnell ab. »Ben, wie wäre es mit dir? Du wärest bestimmt ein guter König.«

   Ben starrte zuerst Sven und dann Garti an.

   »Ihr habt noch Zeit, es euch zu überlegen«, Garti stand auf und ging.

   Die Übrigen blieben noch zusammen und unterhielten sich. Erst spät in der Nacht gingen alle in ihre Hütten zurück. Sven konnte nicht schlafen, worauf er sich auf die Treppe vor der Hütte setzte und in den Himmel starrte. Die Worte von Garti spukten ihm immer noch im Kopf herum. Kurze Zeit später gesellte sich Lisa zu ihm. Erst als sie ihn berührte, merkte er, dass sie neben ihm saß. Beide saßen schweigend auf der Treppe und sahen in die Nacht. Nach einiger Zeit stand Sven auf und reichte Lisa die Hand.

   »Komm. Es ist schon spät. Lass uns hineingehen.«

   Lisa nahm seine Hand, stand auf und ging mit ihm zurück in die Hütte.

   

   Am späten Vormittag des nächsten Tages kam Garti in Jasos Hütte.

   »Nun, wie hast du dich entschieden, Sven?«

   »Ich glaube, Ben wäre besser dafür geeignet als ich.«

   »Ben, was meinst du zu diesem Vorschlag?«

   »Ich soll … Ich … Sven hat den König besiegt, somit sollte er der Nachfolger sein. Das besagt doch die Prophezeiung?«

   »Das ist richtig. Derjenige, der den König besiegt, soll als Nachfolger eingesetzt werden. Aber, wenn ich mich recht erinnere, habt ihr beide zusammen den König besiegt. Einer alleine hätte es nicht geschafft.«

   »Ben, wir müssen wieder zurück in unsere Welt. Somit kann Sven das Amt nicht annehmen. Du wärst der Richtige dafür«, sagte Lisa.

   »Vielleicht hast du recht. Aber ich weiß nicht, ob ich dazu wirklich geeignet bin.«

   Am frühen Nachmittag hatten sie sich immer noch nicht entschieden. Ben war sich nicht im Klaren, ob er für dieses Amt wirklich geeignet war.

   »Was ist eigentlich mit den Kindern des Königs? Haben die nicht mehr Anrecht auf den Thron als ich?«

   »Nein, es sind nicht seine Kinder gewesen. Er hatte die Kinder und ihre Mutter entführt. Verheiratet war er nicht. Die Kinder wurden zu ihrem leiblichen Vater zurückgebracht, wo sie lernen werden, wie man mit seinen Mitmenschen richtig umgeht«, sagte Garti und sah dabei Ben und Sven abwechselnd an.

   »Ich glaube, ihr zwei solltet euch alleine unterhalten. Ich werde für heute Abend eine Versammlung einberufen, auf der ihr eure Entscheidung bekannt geben könnt.«

   Mit diesen Worten stand Garti auf und verließ die Hütte. Sven und Ben sahen ihr sprachlos nach.

   »Ich lasse euch besser alleine. Hierbei kann ich euch nicht helfen«, sagte Lisa und ging ebenfalls.

   Sven und Ben standen auf und verließen die Hütte. Gemeinsam gingen sie, ohne ein Wort zu verlieren, zur Geisterhütte. Dort angelangt gingen sie hinein und setzten sich im größten Raum auf den Boden. Es dauerte nicht lange und sie begannen miteinander zu reden.

   

   Die Versammlungshütte war bis auf den letzten Platz belegt. Als Sven und Ben eintrafen, verstummte die Menge. Beide gingen langsam, sich umherblickend, auf die Rednertribüne zu, auf der bereits Garti, Lisa, Jaso und Salu saßen. Beiden war nicht wohl, es kam ihnen so vor, als ob sich die Tribüne von ihnen entfernte. Nach für sie unendlichen Minuten erreichten sie die Tribüne. Dort stellten sie sich, auf die Menge blickend, neben Garti und warteten.

   »Wie habt ihr euch entschieden?«, fragte Garti mit lauter Stimme, so dass alle sie gut verstehen konnten.

   Dabei zuckten Sven und Ben kurz zusammen, da sie sie noch nie so laut hatten reden hören. Beide traten nach vorne. Sven sah Ben an, der ihm zunickte.

   »Ich kann das Amt nicht annehmen, da ich wieder zurück in meine Welt gehen muss«, sagte Sven und ging zurück.

   Ein Raunen ging durch die versammelte Menge. Bens Herz schien aus der Brust zu springen, so heftig schlug es. Er holte noch einmal tief Luft.

   »Ich … Ich werde, sofern es der Wunsch aller ist, das Amt annehmen und versuchen ein guter König zu sein.«

   Die Versammelten jubelten und riefen im Chor Bens Namen. Noch nie zuvor hatte sich Ben so unwohl gefühlt. Am liebsten wäre er von der Bühne aus der Hütte gerannt. Zum Glück hatte aber Garti dies bemerkt und ihn an der Schulter festgehalten. Kurz darauf ging Lisa zu ihm und stellte sich neben ihn.

   »Du wirst ein guter König sein«, sagte sie und gab ihm einen Kuss auf die Wange.

   Nachdem sich die Menge wieder beruhigt hatte, verließen nach und nach alle die Versammlungshütte, nur Garti und Ben standen am Schluss noch auf der Bühne.

   »Wie wird es jetzt weitergehen?«, fragte Ben Garti.

   »In den nächsten vier Tagen wird deine Krönung vorbereitet. Bis dahin solltest du dir ein paar Leute suchen, die dich in deinem Amt unterstützen und beraten können.«

   Ben starrte in die leere Halle vor sich und überlegte, wen er hierfür erwählen sollte.

   »Was …?«

   Er hatte nicht bemerkt, dass Garti ebenfalls die Hütte verlassen hatte. Jetzt stand er allein in der großen Versammlungshütte. Nachdenklich ging er von der Bühne Richtung Ausgang.

   Im ganzen Land wurde verbreitet, dass Ben der neue König sein würde. Sogleich machten sich die Leute daran, alles für die Zeremonie vorzubereiten. Man schmückte den Palast und bereitete die Mahlzeiten für die Feierlichkeiten vor. Langsam füllte sich der Palastgarten mit Schaulustigen, Gauklern und Händlern.

    

   Für Ben waren die vier Tage viel zu schnell vorbei. Er hatte wegen der Vorbereitungen kaum noch Zeit mit Lisa und Sven verbracht. An dem Tag, an dem Ben gekrönt werden sollte, wartete er, eingehüllt in die prächtigen Gewänder, allein hinter einer großen verzierten Holztür. Sein Herz schlug so heftig, dass er meinte, jeder würde es hören. Die Anspannung wurde so groß, dass ihm schwindlig und übel wurde. Langsam fing er an zu schwanken, der Schweiß rann ihm über das Gesicht. Plötzlich wurde die Tür geöffnet. Sein Herz schlug noch wilder als zuvor, er hatte Angst. Langsam, so wie er es die letzten Tage geübt hatte, ging er durch die Tür in Richtung des Throns. Der Weg dorthin führte durch die gesamte Halle. Links und rechts standen Leute, die ihm irgendetwas zu riefen, was er aber nicht verstand.

   »Jetzt bloß nicht stolpern. Jetzt bloß nicht stolpern.«

   Mit langsamen Schritten kam er dem Thron näher. Davor stand ein Priester, der die Zeremonie durchführen sollte. Links und rechts neben dem Thron standen seine engsten Vertrauten: Lisa und Sven sowie Sirius, sein erster Berater, Salu, sein Oberbefehlshaber, Jaso, der erste Magier am Hof und Garum, sein Schatzmeister. Ben war so aufgeregt, dass er nachher nicht mehr sagen konnte, was während der Krönung passiert war. Seine Erinnerungen setzten erst wieder ein, als er bereits auf dem Thron Platz genommen hatte und seine erste Amtshandlung bekannt gab.

   »Von nun an ist die Meldepflicht für Magier aufgehoben. Alle noch inhaftierten Magier werden freigelassen.«

   

   Die Feierlichkeiten zogen sich über drei Tage. Es wurde musiziert, gelacht und getanzt. Alle freuten sich darüber, dass die Tyrannei ein Ende hatte.

   »Lisa, wir müssen wieder zurück.«

   »Du hast recht. Wir waren schon zu lange hier.«

   »Ich werde jetzt bis auf eine alle Türen verschließen.«

   Sven ging zur nächstgelegenen Tür und betrat die Tunnel. Nach etwa einer Stunde kam er zurück und gab Ben den Bogen.

   »Bewahre ihn gut auf und sorge dafür, dass er nicht missbraucht wird. Ich werde den Dolch mitnehmen.«

   Lisa, Sven und Ben unterhielten sich noch eine Weile.

   »Wir gehen jetzt besser«, sagte Sven, schüttelte Ben die Hand und ging aus dem Palast. Lisa wollte noch etwas sagen, bekam aber nichts heraus. Sie gab Ben zum Abschied die Hand und rannte dann mit Tränen in den Augen aus dem Palast. Sven nahm sie an der Hand und führte sie zur letzten noch offenen Tür. Beide sahen sich noch einmal um, dann gingen sie in die Tunnel. Sogleich schloss sich die Tür, das kleine Fenster im oberen Bereich der Tür wurde dunkel.

   

   Ben saß mit Sirius beim Frühstück, als Garti zu ihnen kam.

   »Wo sind Lisa und Sven?«, fragte sie.

   »Die sind bereits wieder in ihrer Welt«, sagte Ben.

   »Hat er die Tür gefunden?«

   »Welche Tür? Alle Türen, die er kannte, hat er, bevor er mit Lisa gegangen ist, geschlossen.«

   »Was ist mit der Tür im Thronsaal?«

   Ben sah Garti überrascht an: »Eine Tür im Thronsaal?«

   »Ja, es ist die Letzte gewesen, die auf der Karte noch fehlte«, sagte Garti und setzte sich an den Tisch. »Dann ist die Tür noch offen!«, stellte sie fest.

   »Was machen wir jetzt? Sven ist der Einzige, der die Tür verschließen kann, er hat den Dolch mitgenommen«, wendete Sirius ein.

   »Wir müssen sie mit einem Schutzbann versehen«, sagte Ben, stand auf und ging in den Thronsaal. Die anderen folgten ihm.

   Dort angekommen suchte Ben die Tür, von der Garti gesprochen hatte, fand diese aber nicht.

   »Ich kann sie nicht finden.«

   Garti schob Ben beiseite und ging zu der Wand hinter dem Thron.

   »Dort ist sie«, sagte sie und im gleichen Augenblick wurde die Tür sichtbar.

   Alle vier starrten auf die Tür.

   »Ich kann einen Schutzbann darauf legen, dieser wird aber nicht lange halten, da auch meine Zeit bald zu Ende geht«, sagte Garti und wandte sich zu Jaso, der ebenfalls hinzugekommen war. »Dies ist jetzt deine Aufgabe. Du musst den Schutzbann errichten und aufrecht erhalten. Gib diese Aufgabe an deine Nachkommen weiter.«

   »Welche Nachkommen? Garum ist kein Magier und mein anderer Sohn ist tot.«

   »Gib diese Aufgabe an deine Nachkommen weiter«, wiederholte Garti in ruhigem Ton und verließ die Kammer. Jaso sah ihr noch ungläubig nach. Als Garti aus seinem Blickwinkel verschwand, lief er hinter ihr her, konnte sie aber nicht mehr finden. Er versuchte noch eine Verbindung zu ihr aufzubauen, aber auch dies ohne Erfolg. Jaso ging zurück zu der Tür im Thronsaal und legte einen Schutzbann darüber. Danach wandte er sich an Ben.

   »Kannst du dir vorstellen, was sie damit meinte?«

   »Nein, aber bisher hatte sie immer das Richtige gesagt.«

   Jaso, Sirius und Ben verließen den Thronsaal und unterhielten sich über Gartis Worte. Garum kam hinzu, da meinte Ben:

   »Lasst uns das bei einem guten Frühstück besprechen.«