Dreier´s Bücherwelt: Endlich Wochenende


   Sven und Lisa rannten zu Jasos Hütte, in der Hoffnung, dass Ben sich dort befand. In der Hütte angelangt fragten sie nach ihm. Jaso sah die beiden erstaunt an und sagte, dass Ben nicht da sei. Sven und Lisa suchten den ganzen Ort nach Ben und den Kindern ab, fanden sie jedoch nicht. Sie fragten Salu, ob er wüsste, wo sie sich befinden könnten, aber Salu verneinte dies. Langsam wurden nicht nur die Eltern der verschwundenen Kinder unruhig. Alle überlegten, was geschehen sein konnte, als Ben während des Zaubers in die Knie gegangen war.

   »Vielleicht hat er es ja nur bis in den Wald des Todes geschafft«, meinte Lisa.

   »Jaso, kannst du nicht versuchen Ben zu finden?«, fragte Sven.

   »Das habe ich bereits versucht, aber er antwortet nicht. Gibt es keine Tür in der Nähe des Waldes des Todes?«

   »Nicht, dass ich wüsste. Aber ich kann noch einmal nachsehen.«

   Sven ging zur Arresthütte, um sich die Karte noch einmal anzusehen. Kurze Zeit später trafen Lisa und Jaso ein.

   »Hast du etwas gefunden?«, fragte Jaso.

   Sven zeigte auf die Karte.

   »Nein, aber diese Tür ist im Palast. Der Tunnel führt unter dem Lagerplatz außerhalb des Palastgartens. Vielleicht finden wir dort eine Tür.«

   »Dann werden wir es versuchen. Wann können wir aufbrechen?«

   »Wir können gleich los.«

   Gemeinsam verließen sie die Arresthütte und gingen zur Geisterhütte.

   »Wartet hier, ich muss erst die Tür öffnen.«

   Sven nahm Bogen und Dolch und öffnete die Tür. Danach winkte er Lisa und Jaso herbei und schickte sie hindurch. Sven ging als Letzter und schloss damit die Tür wieder. Er führte Lisa und Jaso durch die Gänge zu der besagten Stelle. Dort angekommen suchten sie nach einer Tür, die nicht in den Palastgarten führte, konnten aber keine finden.

   »Hier ist keine Tür, die wir benutzen könnten«, sagte Sven.

   »Kannst du nicht versuchen eine Tür entstehen zu lassen?«, fragte Jaso.

   Sven überlegte einen Augenblick.

   »Ich wüsste nicht, wie.«

   Sven führte Salu und Lisa zur Tür der Geisterhütte zurück, öffnete diese und ließ beide hindurchgehen. Diesmal blieb er im Tunnel zurück und schloss die Tür von innen.

   

   »Sven!«, rief Lisa und trommelte mit den Fäusten an die Wand, wo eben noch eine Tür war.

   Jaso zog sie zurück und nahm sie, um sie zu trösten, in den Arm. Nachdem Lisa sich beruhigt hatte, gingen beide zu Jasos Hütte. Dort wartete bereits Garum, der ein paar Neuigkeiten hatte.

   

   »Sie haben Ben gefunden. Er ist auf dem Lagerplatz im Wald des Todes. Die anderen Kinder sind wohl auf. Ben ist ziemlich erschöpft, kann aber einen Schutzbann aufrechterhalten. Ein Rettungstrupp ist bereits auf dem Weg zu ihm.«

   »Das sind ja gute Neuigkeiten, aber woher hast du die Informationen?«

   »Garti hat Ben gefunden und uns die Nachricht übermittelt. Sie ist jetzt bei den Königskindern.«

   »Lass uns zu ihr gehen, vielleicht kann sie uns noch mehr von Ben erzählen.«

   

   Sven ging zu dem hellen Raum, in dem er die Karte auf den Tisch gemalt hatte. Dort sah er sich sein Werk noch einmal an. Die Karte entsprach derjenigen in der Arresthütte. Alle Türen, die er gefunden hatte, waren darin eingezeichnet. Nachdem er sich die Karte lange genug angesehen hatte, ging er zu der Tür, aus der er von Jaso geholt wurde. Dort lag immer noch das Bündel, das Salu hineingeworfen hatte. Sven hob es auf und wunderte sich, dass es so leicht war. Mit dem Bündel im Arm machte er sich auf den Weg zum hellen Raum. Ihn packte die Neugierde. Er wollte wissen, was sich im Bündel befand. Sven legte das Bündel auf den Tisch und fing an es auszupacken. Behutsam wickelte er den kleinen Körper aus, der in ungewöhnlich viele Stofflagen eingewickelt war. Als nur noch eine Lage um den kleinen Körper gewickelt war, hielt er kurz inne. Seine Neugierde war jedoch so groß, dass er auch die letzte Lage Stoff entfernte, um den Inhalt sehen zu können. Das, was da zum Vorschein kam, konnte kein Kleinkind sein. Der gesamte Körper war mit einem braunen Fell bedeckt. Erst als Sven den Kopf freigelegt hatte, sah er, dass es ein kleiner Affe war.

   »Dann ist es nur ein Mythos! Es muss sich niemand in den Tunneln befinden, damit diese erhalten bleiben.«

   Er wickelte den kleinen Körper wieder ein und begrub ihn in einem der Seitentunnel. Danach verließ er die Tunnel und machte sich auf den Weg zu Jaso. Sven traf bei Jaso ein, als dieser gerade mit den anderen zur Arresthütte gehen wollte.

   »Was hast du dir dabei eigentlich gedacht?«, fragte Lisa mit strenger Stimme.

   »Das erkläre ich dir später, jetzt müssen wir zuerst Ben helfen.«

   Gemeinsam gingen sie zur Arresthütte. Dort sahen sie Garti vor der Karte sitzen. Jaso lief zu ihr und begrüßte sie. Er hatte sie lange nicht gesehen, so fiel die Begrüßung etwas heftiger aus. Als Sven näher trat, schob Garti Jaso zur Seite.

   »Hallo Sven.«

   Sven konnte vor Aufregung nicht sprechen. Er wollte sie so viel fragen, doch jetzt kam kein Wort über seine Lippen.

   »Oh, ich wusste ja nicht, dass du stumm bist«, sagte sie lächelnd.

   »Ich …  Doch … Ich kann reden.«

   »Und du bist Lisa?«

   »Ja, woher wissen Sie das?«

   »Das ist jetzt nicht wichtig. Sven, deine Karte ist gut, aber nicht vollständig.«

   Sven sah auf die Karte.

   »Aber es sind alle Türen, die ich kenne. Ich wüsste nicht, was fehlen sollte.«

   »Das wirst du noch herausfinden. Jetzt aber zu Ben: Er braucht dringend eure Hilfe.«

   »Wir haben schon versucht zu ihm zu gelangen, aber es gibt keine Tür, die zu dem Wald führt.«

   »Dann nehmt eine Tür, die in der Nähe ist, die im Palast zum Beispiel.«

   Garti zeigte dabei auf die Stelle auf der Karte, wo sich der Palast befand.

   »Und wie sollen wir von dort aus in den Wald gelangen? Die Tür in der Außenmauer ist von außen verbarrikadiert.«

   »Nehmt die Geheimtunnel. Ihr findet sie, wenn ihr in den Kerker geht. In der rechten Zelle an der rechten Mauer ist eine Geheimtür. Ihr könnt sie öffnen, indem ihr den dritten Stein von unten hinein drückt. Der Gang dahinter führt unter der Mauer hindurch zu dem Brunnen am Haupteingang.«

   Sven und Lisa sahen Garti sprachlos an.

   »Beeilt euch, ihr habt nicht mehr viel Zeit. Ben wird immer schwächer. Nehmt das hier mit, es wird Ben helfen, wieder auf die Beine zu kommen«, sagte Garti und gab Sven einen kleinen Beutel, den sie aus ihrer Tasche geholt hatte. Sven wollte den Beutel gerade öffnen, um zu sehen, was sich darin befand, als Garti hinzufügte: »Es ist nur ein Pulver, das ihn stärken wird.«

   Sven hängte sich den Beutel um den Hals und bedankte sich bei ihr. Er gab Lisa ein Zeichen zum Aufbruch und ging zum Ausgang.

   »Viel Glück, ihr beiden«, rief Garti ihnen nach und winkte.

   

   Lisa und Sven fanden Ben und die Kinder auf dem Rastplatz vor der Tür zum Palastgarten. Ben hatte sich so stark verausgabt, dass er sich kaum wach halten konnte. Der Schutzbann, den er wegen der wilden Tiere aufrecht erhalten musste, wurde immer kleiner. Sven gab ihm den Beutel, den er von Garti erhalten hatte. Ben öffnete diesen und sah hinein. Als er das Pulver sah, bat er um etwas Wasser. Lisa brachte ihm eine Schale mit Wasser und half Ben das Pulver darin aufzulösen. Nachdem Ben die Schale geleert hatte, fühlte er sich gleich besser. Nach weiteren zwei Minuten war er wieder vollkommen hergestellt. Zuerst erweiterte er den Schutzbann, damit sich alle die Beine vertreten konnten. Kurze Zeit später rief er alle zusammen und bereitete den Transportzauber vor.

   »Du solltest dich noch etwas ausruhen, bevor du erneut einen Transport durchführst«, sagte Sven.

   »Es ist besser, wenn wir es hinter uns bringen.«

   Kurze Zeit später waren alle wieder in Sondrum. Ben ließ die Gruppe vor der Geisterhütte erscheinen. Die Kinder liefen nach Hause zu ihren Eltern. Lisa, Sven und Ben gingen zur Arresthütte. Sie hofften, dass sich Garti immer noch darin befand. Als sie dort eintrafen, stellten sie fest, dass die Hütte leer war. Auch die Königskinder waren nicht mehr da, die Karte an der Wand war ebenfalls verschwunden. Gerade als sie die Hütte verlassen wollten, stürmte ein kleines Mädchen völlig in Tränen aufgelöst herein.

   »Sie sind alle weg! Es ist keiner mehr da!«

   Lisa, Sven und Ben versuchten das Mädchen zu beruhigen.

   »Wir werden sie schon wieder finden«, sagte Ben mit sanfter Stimme.

   Als sich das Mädchen einigermaßen beruhigt hatte, verließen sie gemeinsam die Hütte. Draußen hatten sich bereits mehrere Kinder versammelt, die Ben erwartungsvoll ansahen.

   »Habt ihr alles abgesucht?«, fragte Ben die Gruppe.

   »Ja. Die Hütten sind alle leer«, sagte eins von den Kindern.

   »Sven, sieh bitte in Jasos Hütte nach, ob du einen Hinweis findest.«

   Sven lief zu Jasos Hütte, durchsuchte diese, konnte aber nichts finden. Als er die Hütte wieder verlassen wollte, sah er aus den Augenwinkeln eine Bewegung. Sven drehte sich um und sah in die Richtung der Bewegung, doch dort befand sich niemand.

   »War wohl nichts«, dachte er und öffnete die Tür.

   »Wir sind im Palast.«

   Sven fuhr erschrocken herum, konnte aber niemanden sehen.

   »Wir sind im Palast, beeilt euch.«

   »Wer ist da? Zeige dich.«

   Es antwortete niemand, es war auch niemand zu sehen, der hätte antworten können. Sven lief zu den anderen und erzählte ihnen, was er in Jasos Hütte erlebt hatte. Alle sahen ihn ungläubig an. Sie dachten, Sven sei verrückt geworden und höre Stimmen, wo keine waren. Doch Ben glaubte ihm.

   »Dann lass uns durch die Tunnel in den Palast gehen.«

   »Das ist zu gefährlich. Sie werden die Türen jetzt bestimmt bewachen.«

   »Dann muss ich uns wohl wieder in den Palast bringen?«

   »Bist du überhaupt schon wieder fit genug dazu?«

   »Das werden wir sehen, wenn wir unterwegs sind.«

   Ben wollte gerade mit dem Transportzauber beginnen, als jemand fragte.

   »Was ist mit uns?«

   »Ihr bleibt hier. Ich kann euch nicht alle mitnehmen, dazu reicht meine Kraft nicht.«

   Ben setzte seine Vorbereitungen für den Transport fort. Nach wenigen Augenblicken waren alle drei verschwunden.

   »Gehen wir nach Hause, hier herumzustehen bringt auch nichts«, sagte eines der Kinder.

   Langsam löste sich die Gruppe auf. Alle liefen mit gesenktem Kopf zu ihren Hütten nach Hause.