Dreier´s Bücherwelt: Endlich Wochenende


   Sven und Lisa erzählten sich ihre Abenteuer in der fremden Welt. Als er den Dolch und den Bogen erwähnte, wollte Lisa wissen, wo sich die Sachen befanden.

   »Den Bogen hab ich bei Jaso gelassen, er wäre aufgefallen.«

   »Was ist mit dem Dolch?«

   »Den hatte ich am Gürtel meiner Hose. Vielleicht ist er ja im Schrank bei meinen Sachen!«

   Sven durchsuchte seine Sachen im Schrank, konnte jedoch den Dolch nicht finden.

   »Vielleicht hat ihn meine Mutter mit nach Hause genommen«, sagte Sven und schaute sich im Spiegel an.

   Als er sein Spiegelbild erblickte, wurde er traurig. Er hatte wieder die gleiche rundliche Figur, wie vor den Abenteuern.

   »Vielleicht war doch alles nur ein Traum«, sagte er niedergeschlagen.

   »Wie können wir beide den gleichen Traum haben?«

   »Sieh mich doch an. Sah ich dort etwa so aus?«

   »Dort warst du ein sportlich aussehender Junge. Wie du jetzt aussiehst, weiß ich nicht.«

   »Wieso? Sieh mich doch an.«

   »Ich bin blind. Ich kann nichts sehen.«

   »Aber ...«, Sven verstummte und ging langsam zu Lisa ans Bett.

   Er sah sie sich genauer an. Sie sah aus, wie er sie zuletzt in der fremden Welt gesehen hatte. Sie hatte kastanienbraunes Haar und eine zierliche Figur. So wie es für eine Zwölfjährige üblich war. Lisa sah mit ihren strahlend blauen Augen in Svens Richtung, während er näher herantrat. Langsam hob er seine Hand und wedelte vor ihren Augen hin und her.

   »Lass das«, sagte sie und versuchte seine Hand zu erhaschen.

   »Das verstehe ich nicht. Wie kann das sein?«

   »Das weiß ich auch nicht.«

   Sven setzte sich auf ihr Bett und starrte sie an. Eine Zeit lang schwiegen beide.

   »Warst du schon immer blind gewesen?«

   »Nein.«

   Lisa begann zu erzählen. Es geschah vor etwa drei Jahren, als Lisa mit ihrer Mutter unterwegs war. Ein Autofahrer bekam einen Herzinfarkt und raste daraufhin auf die beiden zu. Ungebremst erfasste er Lisa und ihre Mutter auf dem Bürgersteig. Lisa konnte von diesem Zeitpunkt an nicht mehr sehen, ihre Mutter verstarb an den Verletzungen.

   »Das tut mir Leid«, sagte Sven und schwieg betroffen.

   »Wie bist du eigentlich in die fremde Welt gekommen?«, wollte er dann schließlich wissen.

   Lisa antwortete zuerst nicht, dann fing sie an zu erzählen.

   

   Vor etwa einem Monat war sie mit ihrem Vater nach Neustadt gezogen. Da sie die neue Umgebung kennen lernen wollte, ging sie fast jeden Tag auf Erkundung. Ihre Blindheit machte es notwendig, dass sie die Strecken mehrmals ablief, um sie sich genau einprägen zu können. Eines Tages ging sie in den Keller. Bei dessen Erkundung fand sie einen losen Stein in einem Gang, der plötzlich endete. Als sie diesen entfernte, fand sie einen Hebel in dem entstandenen Loch, den sie sogleich betätigte. Darauf hin glitt die Wand, die zuvor das Ende des Ganges bildete, zur Seite. Sie trat in den Tunnel und erreichte kurze Zeit später eine Tür. In dem Augenblick, als sie durch die Tür schritt, verschwand diese und sie konnte sehen.

   

   »Den Rest habe ich dir ja schon in der Hütte am Palast erzählt«, beendete Lisa ihre Erzählung.

   »Wir sind beide durch eine Geheimtür in einem Keller gegangen. Ob es da einen Zusammenhang gibt?«

   »Vielleicht, aber das können wir erst herausfinden, wenn wir wieder zu Hause sind.«