Dreier´s Bücherwelt: Endlich Wochenende


   Salu erzählte den beiden, während sie warteten, wie es zurzeit im Königreich aussah.

   Vor mehr als sechs Monaten wurden zwei Spione hingerichtet, weil sie die Spur von Sven und Ben verloren hatten. Im ganzen Land wurde daraufhin noch intensiver nach den beiden gesucht. Obwohl eine sehr hohe Belohnung auf Sven und Ben ausgesetzt wurde, hatte man ihren Aufenthaltsort nicht herausgefunden. Der König hatte daraufhin so große Angst bekommen, dass er seinen Palast nicht mehr verließ. Nicht einmal seinen engsten Vertrauten hatte er mitgeteilt, warum er solche Angst hatte. Im Laufe der Zeit verbreiteten sich Gerüchte, dass der König den Verstand verliere. Der König hatte zwei Kinder im Alter von elf und zwölf Jahren. Um sie zu unterhalten, benötigte man Kinder in deren Alter, die mit ihnen spielen sollten. Da sie ihre Spielkameraden nicht besonders gut behandelten, wurden diese in regelmäßigen Abständen ausgetauscht.

   »Eure Aufgabe ist es nun, die Königskinder zu unterhalten und gleichzeitig etwas mehr über die Angstzustände des Königs herauszufinden«, schloss Salu seine Erzählung.

   »Wie kommen wir in den Palast?«, fragte Sven.

   »In etwa zwei Stunden wird ein Verbündeter hierher kommen, er heißt Jaso. Er wird alles Weitere erklären und euch in den Palast einschleusen.«

   »Wie lange werden wir unterwegs sein?«, wollte Ben wissen.

   »Etwa einen Monat. Während der Reise wird euch Jaso in Magie und Nahkampf unterrichten.«

   »Wie lange wird es noch dauern, bis ich wieder nach Hause komme?«

   »Das weiß ich nicht, Sven. Aber vielleicht kann dir Jaso dabei helfen.«

   

   Nach einigen Stunden traf Jaso ein. Er war etwa fünfunddreißig Jahre alt, hatte kurzes dunkles Haar und einen durchtrainierten Körper. Um sich besser kennen zu lernen, unterhielten sie sich noch einige Stunden miteinander. 

   Als sie die Höhle am nächsten Morgen verließen, befanden sie sich in einem unheimlichen Wald. Die Bäume standen so dicht beieinander, dass ihre Kronen wie ein Dach wirkten, durch das nur wenig Licht drang. Man konnte dadurch nicht unterscheiden, ob es noch Nacht war oder bereits der Morgen graute. Es waren riesige Bäume, deren Stämme so dick waren, dass Sven und Ben sie hätten nicht gemeinsam umfassen können. Das Unterholz war, bedingt durch die schlechten Lichtverhältnisse, nicht sehr üppig. Die Sträucher und Farne waren jedoch so weit ausladend, dass sie einen fast undurchdringlichen Teppich bildeten.

   Sie liefen hauptsächlich auf Wildpfaden, auf denen das Unterholz nicht so üppig wuchs. Manchmal mussten sie sich trotzdem den Weg mit ihren Schwertern freimachen, was so anstrengend war, dass sie nur selten miteinander sprachen. Das Beseitigen der Hindernisse ließ sie nur langsam vorankommen. Gegen Mittag legten sie eine kleine Rast auf einer Lichtung ein. Ben wollte gerade ein Feuer machen, als ihn Jaso davon abhielt. Er meinte, es sei zu gefährlich, da es im Wald Geschöpfe gebe, die von Feuer angezogen werden, und es deshalb besser sei, das Essen mittels Magie zuzubereiten. Jaso übernahm daraufhin die Zubereitung und unterwies Ben gleichzeitig darin. Sven beobachtete dies neugierig, gerne hätte er ebenfalls die Kunst der Magie erlernt. Kurz nachdem sie ihre Mahlzeit beendet hatten, brachen sie wieder auf. Sie liefen, bis es so dunkel war, dass man nichts mehr erkennen konnte.

   

   Die Nacht verbrachten sie in einer kleinen Erdhöhle, die zumindest Schutz vor der nächtlichen Kälte gab. Ein Schutzbann am Eingang verhinderte, dass wilde Tiere in diese eindringen konnten. Sven und Ben hörten Geräusche, die sie noch nie zuvor gehört hatten. Kurze Zeit später fragten sie Jaso, wer diese Geräusche verursachte. Jaso erzählte ihnen, dass im Wald Tiere lebten, die alles angriffen, was sich bewegte und als Beute in Frage kam. Aus diesem Grund wurde der Wald auch »Wald des Todes« genannt. Sven und Ben sahen Jaso entsetzt an. Jaso erklärte dann, dass ihnen nichts geschehen konnte, solange sie einen Schutzbann errichteten.

   »Wenn es so gefährlich ist, warum gehen wir dann nicht einen anderen Weg?«, fragte Sven.

   »Dieser Wald grenzt an den Palast. Weil es hier so gefährlich ist, wird er nicht bewacht. Man kann also unbemerkt in die Nähe des Palastes gelangen«, gab Jaso zur Antwort.

   In dieser Nacht schliefen Sven und Ben unruhig.

   

   Die ersten zwei Wochen verliefen ohne Zwischenfälle. Hier und da zeigten sich in der Ferne eigenartige Tiere, die jedoch nicht näher kamen. Sven und Ben hatten die Gefahr, die um sie herum lauerte, verdrängt. Abends waren sie so müde, dass sie sich, nicht wie zu Anfang noch, lange unterhielten, sondern nach dem Essen hinlegten und schliefen.

   In der dritten Woche war Ben dran den Schutzbann während der Wanderung aufrecht zu erhalten. Zuerst fiel es ihm recht schwer, dies während des Laufens zu tun. Erst gegen Mittag fiel es ihm etwas leichter, der Schutzbann brach nicht immer wieder zusammen, wenn er sich auf etwas anderes konzentrierte. Nach der Mittagsrast liefen sie durch ein unwegsames Gebiet. Durch die Anstrengungen beim Übersteigen der Hindernisse hatte Ben vergessen, sich auf den Schutzbann zu konzentrieren. Da brach dieser zusammen, ohne dass er es bemerkte. Jaso hatte dies entdeckt, allerdings unternahm er vorerst nichts. Er wollte sehen, wie Ben in Gefahrensituationen reagierte. Es dauerte nicht lange, da kamen die Geschöpfe des Waldes auf sie zu. Eines war bereits so nahe, dass sie es genau erkennen konnten.

   Es sah aus wie eine Raubkatze, war aber zweimal so groß wie Ben. Es hatte lange spitze Reißzähne, die seitlich aus dem Maul ragten, das so groß war, dass es Svens Kopf mit einem Bissen hätte verschlingen können. Die Drei blieben stehen und verhielten sich so ruhig wie möglich. Ben bemerkte seine Nachlässigkeit immer noch nicht, obwohl das Geschöpf immer näher kam. Das Tier kam zähnefletschend auf sie zu, so dass Sven und Ben Angst bekamen, es würde sie angreifen.

   »Wird der Schutzbann die Bestie abhalten näher zu kommen?«, fragte Sven Jaso.

   Dieser antwortete jedoch nicht darauf.

   »Wie weit geht dein Schutzbann?«, wollte Jaso von Ben wissen.

   »Er reicht zwanzig Meter um uns herum. Spürst du ihn nicht?«

   Ben sah zu Jaso und sah, wie dieser den Kopf schüttelte. Hastig überprüfte er den Schutzbann, dabei stellte er fest, dass dieser nicht mehr vorhanden war. Das Geschöpf war bereits auf zehn Meter an sie herangekommen, da versuchte Ben den Schutzbann wieder aufzubauen, was ihm aber vor Aufregung nicht gelang. Das Geschöpf spannte die Muskeln und setzte zum Sprung an. In diesem Augenblick übernahm Jaso und baute den Schutzbann auf. Das Geschöpf sprang und prallte am Schutzbann ab. Während des Sprunges warfen sich Sven und Ben auf den Boden und kauerten sich zusammen. Benommen fiel das Geschöpf zu Boden, rappelte sich jedoch sehr schnell wieder auf und verschwand im Wald.

   »Ben, Ben, Ben. War alles umsonst, was wir in den letzten Wochen durchgenommen haben?«, fragte Jaso und schüttelte dabei den Kopf.

   Sven und Ben entspannten sich langsam und standen auf, allerdings zitterten sie immer noch am ganzen Körper. Ben wurde verlegen und wusste nicht so recht, was er auf Jasos Frage antworten sollte.

   »Du musst deine Zauber immer wieder überprüfen. So etwas darf nicht passieren. Was meinst du, was passiert wäre, wenn ich es nicht rechtzeitig bemerkt hätte?«

   Sven wurde schlecht bei dem Gedanken, was hätte passieren können. Ben war zu verlegen, dass man ihm seine Furcht hätte ansehen können. Jaso beließ es dabei und drängte zum Weitergehen. Sven und Ben liefen schweigend Jaso hinterher.

   Nach einiger Zeit meinte Jaso: »Übernimm bitte den Schutzbann wieder. Du musst lernen, ihn aufrecht zu erhalten, auch wenn du nicht daran denkst. Ich hoffe, das eben war eine Lehre für dich.«

   Jaso senkte den Schutzbann, Ben reagierte jedoch nicht, er war mit seinen Gedanken nicht bei der Sache. Erst als Jaso ihn anschrie, baute er den Schutzbann auf.

   »Was ist nur los mit dir?«

   »Ich, ich weiß nicht. Ich wollte …«, stammelte Ben.

   »Ich weiß, es ist nicht einfach für dich. Du bist noch jung und dir fehlt die Erfahrung. Aber wir haben nur wenig Zeit und Fehler können nun mal tödlich sein.«

   »Ich verstehe, aber …«

   Ben sprach nicht weiter, er zog sich in sich zurück. Sven hatte ihn noch nie so gesehen. Er schien wie ausgewechselt.

   »Was hast du? Ich mache dir wegen vorhin keine Vorwürfe.«

   Ben schaute abwesend zu Sven.

   »Es ist … nichts. Ich hab nur Angst, dass ich es nicht schaffe und alle in Gefahr bringe.«

   Ben stiegen Tränen in die Augen. Damit Sven es nicht mitbekam, wischte er seine Augen am Ärmel ab und tat so, als ob ihm etwas in das Auge geflogen sei.

   »Wenn es zu viel für dich ist, dann musst du es Jaso sagen.«

   »Das kann ich nicht. Ich muss dich doch beschützen.«

   Sven sah Ben an.

   »Ich werde nicht ohne dich in den Palast gehen. Dann muss das eben jemand anderes übernehmen.«

   »Du musst in den Palast. Dort ist jemand, der …«

   Ben verstummte augenblicklich und wandte sich von Sven ab, worauf Sven nachhakte:

   »Wer ist dort?«

   Ben antwortete nicht, er tat so, als würde er ihn nicht hören, und ging unbeirrt weiter. Was immer Sven auch versuchte, um Ben dazu zu bewegen ihm zu sagen, was im Palast war, er bekam keine Antwort. Kurze Zeit später begab sich Sven zu Jaso, um ihn nach dem Grund für Bens Verschlossenheit zu fragen. Doch als er Jaso eingeholt hatte und sah, dass er ebenfalls über etwas nachzudenken schien, ließ er es sein.

   

   Am Abend suchten sie einen geeigneten Unterschlupf, in dem sie die Nacht verbringen konnten. Als sie einen gefunden hatten und sich hinein begaben, schützte Ben den Eingang mit einem Schutzbann und ging in den hinteren Teil. Dort setzte er sich an die Wand gelehnt auf den Boden und legte den Kopf auf seine angewinkelten Beine. Sven ging zu ihm, aber Ben gab ihm zu verstehen ihn allein zu lassen. Darauf hin ließ Sven ihn in Ruhe. Jaso hatte beobachtet, wie Ben reagierte, als Sven mit ihm sprechen wollte. Er ging zu Ben und setzte sich neben ihn.

   »Was ist los mit dir?«, fragte er, doch Ben antwortete ihm nicht. »Wie soll ich dir helfen, wenn du nicht mit mir redest?«

   »Es ist … «

   Ben sah zu Sven und brach ab. Jaso wollte ihn nicht drängen, so blieb er eine Zeit lang schweigend neben ihm sitzen.

   »Warte, ich lege einen Bann um uns.«

   Jaso umgab beide mit einem Bann, der verhinderte, dass ihr Gespräch mitgehört werden konnte.

   »Jetzt kannst du reden, Sven kann uns nicht mehr hören.«

   Ben entspannte sich allmählich.

   »Es ist Sven, ich habe Angst um ihn. Ich werde ihn verlieren, wie Lisa.«

   »Wer ist Lisa?«

   »Sie kam vor etwa einem Jahr hierher, genau so wie Sven. Eines Tages haben wir gestritten, dann ist sie weggelaufen. Ich habe sie gesucht, konnte sie aber nicht finden.«

   »Das ist es also! Du hast Angst, dass Sven dich eines Tages verlässt?«

   »Nein, ich weiß, dass er mich verlassen wird. Ich dachte nur nicht, dass es schon so bald sein würde.«

   »Das verstehe ich nicht!«

   »Im Palast, dort wird er den Schlüssel zu seiner Rückkehr finden.«

   Jaso dachte eine Weile über das nach, was Ben gesagt hatte. Als Ben nichts mehr sagen wollte, öffnete er den Bann und ging zu Sven.

   »Es tut mir leid, aber ich musste mit Ben alleine reden.«

   »Was ist mit ihm?«

   »Er hat Angst um dich. Der Palast ist ein gefährlicher Ort.«

   Sven stand auf und wollte gerade gehen, da hielt ihn Jaso am Arm fest.

   »Warte, ich muss mit dir reden.«

   Sven setzte sich wieder und Jaso legte einen Bann um ihn und sich.

   »Er kann uns jetzt nicht hören. Wie hast du Ben eigentlich kennen gelernt?«

   Sven erzählte Jaso, wie er Ben kennen gelernt hatte. Wie Ben ihm half, als er nicht mehr laufen konnte, und ihn heilte, als die Bestien ihn verletzt hatten. Jaso hörte aufmerksam zu und unterbrach ihn nicht. Als Sven seine Erzählung beendet hatte, wollte Jaso noch etwas wissen.

   »Dann ist er also von hier?«

   »Ich bin mir nicht sicher, aber woher sollte er denn sonst kommen?«

   »Ich dachte nur, weil sein Name ungewöhnlich für dieses Land ist«, meinte Jaso nachdenklich und hob den Bann wieder auf.

   Sven sah Jaso ungläubig an, da er nicht verstand, was er damit sagen wollte. Jaso war so in Gedanken, dass er Svens unausgesprochene Frage nicht mitbekam. Nach einiger Zeit stand Sven auf und ging zu Ben.

   »Du brauchst keine Angst um mich zu haben. Ich passe schon auf mich auf.«

   Ben reagierte nicht, er war immer noch in Gedanken. »Ben, sag doch was!«

   »Was?«, sagte Ben erschrocken. »Tut mir leid. Ich war in Gedanken.«

   »Was ist nur los mit dir?«

   »Es ist der Palast. Er macht mir Angst.«

   Sven versuchte Ben, während sie sich weiter unterhielten, die Angst um ihn zu nehmen. Später ging Sven zu seinem Schlafplatz, konnte aber nicht einschlafen. Er machte sich über den Zustand von Ben Gedanken. Er fragte sich immer wieder, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatten. Erst spät in der Nacht fielen ihm vor Erschöpfung die Augen zu.

   

   Am nächsten Tag schien alles so zu sein wie immer. Sie frühstückten und liefen los, ohne ein Wort darüber zu verlieren, was am Vortag geschehen war. Sven lief neben Ben her, er hoffte, dass Ben etwas gesprächiger sein würde als am Tag zuvor. Mehrmals machte er einen vergeblichen Versuch, ein Gespräch anzufangen. Ben war so in Gedanken, dass er Sven nicht wahrnahm. Nach kurzer Zeit hatte Sven es aufgegeben und folgte ihm schweigend. Jaso bemerkte die bedrückende Stille und streute daraufhin immer wieder Aufgaben für die beiden ein, die sie ablenken sollten.

   So vergingen weitere zwei Wochen, während dessen Jaso die beiden unterrichtete. Sven verbesserte seine Fähigkeiten im Nahkampf und Ben in Magie. Eigentlich hätten sie bereits am Palast sein müssen, aber sie benötigten nicht wie angenommen vier Wochen, sondern fünf. Die letzte Woche hatten sie besonders hart trainiert, damit sie ihrer Aufgabe im Palast gewachsen waren.

   

   Als sie sich dem Waldrand näherten, erkannten sie eine hohe Mauer. Sven wollte gerade fragen, was dies für eine Mauer sei, als Jaso auf eine Stelle außerhalb des Waldes zeigte:

   »Dort werden wir bleiben, bis der nächste Austausch stattfindet. Die Mauer, die ihr seht, umgibt den gesamten Palast.«

   »Wie kommen wir hinein?«, fragte Sven.

   »Wir haben viel Zeit verloren. Der nächste Austausch findet erst wieder in drei Tagen statt. So lange müssen wir hier bleiben und uns verstecken.«

   »Wie wird der Austausch durchgeführt?«, wollte Ben wissen.

   »Es läuft immer gleich ab. Am Haupteingang warten die neuen Spielkameraden der Königskinder. Bevor sie in den Palast gelassen werden, werden sie gesäubert und neu angekleidet. Die nicht mehr benötigten Kinder werden dort drüben durch die Tür entlassen«, Jaso zeigte traurig auf einen Hintereingang des Palastes.

   Sven und Ben sahen sich bestürzt an. Beide überlegten sich, wie die Kinder ohne den Schutz von Magie gefahrlos den Wald durchqueren sollten. Sie ahnten bereits, was mit den Kindern geschehen würde.

   »Sie werden sterben!?«, riefen die Jungen fast gleichzeitig aus.

   Jaso nickte betroffen und sah zu Boden, bevor er antwortete.

   »Die meisten sind eher tot als lebendig. Es wird eine Erlösung für sie sein. Ihr müsst wissen, dass die Königskinder ihre Spielgefährten nicht gut behandeln. Wenn sie krank oder verletzt sind, werden sie einfach sich selbst überlassen, und das geschieht sehr häufig.«

   »Kannst du ihnen nicht helfen?«, fragte Ben.

   »Nicht allen, ein paar werde ich retten können. Das tue ich, so oft ich kann.«

   Jaso war traurig und zornig zugleich, was sich in seiner Stimme widerspiegelte.

   

   Während sie auf den nächsten Austausch warteten, erzählte ihnen Jaso, wie sie sich im Palast verhalten sollten. Der Platz, auf dem sie sich aufhielten, war ideal, um die Ausbildung im Nahkampf weiter zu führen. Auf die Ausbildung in Magie verzichtete Jaso, um die Magier im Palast nicht auf sie aufmerksam zu machen. Die Zeit verging wie im Fluge.

   

   »Geht um den Palast zum Haupteingang und schleicht euch in das Lager. Dort werdet ihr ein rotes Zelt finden, in dem sich die Kinder aufhalten. Versucht in das Zelt zu gelangen und zwei der Kinder zu befreien, ich werde sie hier erwarten. Verhaltet euch danach so unauffällig wie möglich. Tut das, was man von euch verlangt, dann werden sie nichts merken. Geht jetzt, ihr habt nicht mehr viel Zeit.«

   Sven ließ seinen Bogen bei Jaso, es wäre zu auffällig gewesen, ihn mit in den Palast zu nehmen. Sven und Ben verabschiedeten sich von Jaso und machten sich auf den Weg zum Haupteingang des Palastes. Sie erreichten das Lager und fanden das Zelt, in dem sich die Kinder aufhalten sollten. Sie bemerkten, dass es bewacht wurde, was das Hineinkommen erschwerte. Sie warteten, bis es dunkel wurde, und schlichen dann zu dem Zelt. Dort angelangt schlüpften beide, unbemerkt von den Wachen, unter der Zeltplane ins Innere. Darin befanden sich über zwanzig Kinder im Alter von acht bis fünfzehn Jahren. Sven und Ben schlichen sich leise an den Kindern vorbei und suchten dabei nach welchen, die ihnen ähnlich sahen. Als die Kinder die Beiden bemerkten, wurden sie unruhig. Das anfängliche Geflüster wurde immer lauter.

   »Haltet die Klappe!«, schrie einer der Wachen plötzlich durch den Eingang, so dass alle erschraken.

   Augenblicklich wurde es ruhig. Sven und Ben fanden zwei Jungen, deren Alter und Statur in etwa ihren entsprachen. Sie erklärten den Jungen, dass sie ihren Platz einnehmen würden und jemand draußen auf sie warten würde. Die Jungen begriffen sehr schnell und machten sich auf den Weg zu Jaso. Sven und Ben legten sich an deren Stelle in die bereitgestellten Betten. Jetzt konnten sie nur noch warten.