Dreier´s Bücherwelt: Der kleine Magier


   Gunilla und Manfred starrten einige Zeit auf das Bündel Knochen vor ihnen.

   »Decke sie zu. Ich werde anweisen, dass man ihn würdig begräbt«, sagte Gunilla erstickt.

   Manfred bedeckte die Knochen mit den Überresten von Bekleidung, die herumlagen. Ein lautes Gemurmel von außerhalb des Raumes ließ beide aufhorchen. Vor der Zelle hatten sich einige der Bewohner versammelt. Sie wollten wissen, was geschehen war. Als Gunilla und Manfred aus der Tür traten, wurde es schlagartig still. Gunilla rang mit der Fassung, als sie die Leute sah. Ihr stiegen die Tränen in die Augen, aber als Manfred den Anwesenden sagen wollte, was geschehen war, hielt sie ihn davon ab.

   »Arnold ist im Kampf gegen Mawas unterlegen. Wir haben einen unserer besten Zauberer verloren«, sagte sie leise.

   Die Anwesenden senkten betroffen ihren Kopf. Eine Zeitlang herrschte vollkommene Stille.

   »Wir werden ihn mit allen Ehren zu seiner letzten Ruhestätte führen«, kahm eine zittrige Stimme aus der Menge.

   Gunilla sah nach dem Sprecher und nickte. »Kümmere dich bitte darum. Sage mir persönlich, wenn du etwas benötigst.«

   Gunilla und Manfred sahen noch einmal in die Zelle, dann gingen sie zurück zu Hans und den anderen. Auf ihrem Weg dorthin wurden sie immer wieder von Fragenden aufgehalten. Manfred versuchte die meisten von ihr fernzuhalten und beantwortete die Fragen. Nach endlosen zwanzig Minuten kamen sie in Gunillas Arbeitszimmer an.

   »Was ist passiert?«, fragte einer.

   »Arnold ist tot«, sagte Manfred.

   Die Anwesenden sahen sich sprachlos an. Gunilla und Manfred setzten sich zu ihnen.

   »Wie soll es jetzt weitergehen? Was ist mit Peter?«, fragte Hans.

   Es dauerte einige Zeit, bis Gunilla die Frage aufgriff.

   »Ich weiß es nicht. Seit er mit Wido gegangen ist, haben wir keine Nachricht mehr von ihm erhalten.«

   »Sollten wir nicht einen Kundschafter nach oben schicken, der nach Peter und Wido sieht?«

   Gunilla wollte gerade antworten, als es an der Tür klopfte. Manfred ging zur Tür und öffnete sie einen Spaltbreit. Durch den Spalt hindurch sprach er mit jemandem, den die anderen jedoch nicht sehen konnten. Kurz danach schloss er die Tür und kam zurück.

   »Das war einer unserer Informanten. Er hat gesagt, dass es in Pauls Wohnung zu einem Kampf gekommen ist. Wido sei dabei getötet worden. Peter ...«

   »Was ist mit Peter? Ist er verletzt?«, fuhr Hans dazwischen.

   »Peter wurde dabei offensichtlich nicht verletzt. Er ist ihm bis zu dem zerstörten Haus gefolgt. Dort verschwand Peter mit einem älteren Mann in einem seltsamen Licht.«

   »Er hat ihn sich geholt. Er hat ihn!«, sagte Hans mit zitternder Stimme und rannte zur Tür.

   »Warte! Wo willst du hin? Du kannst nichts für ihn tun«, rief ihn Manfred hinterher.

   Hans blieb entmutigt mit gesenktem Kopf und Schultern stehen. Langsam drehte er sich um und ging zu seinem Sitzplatz zurück.

   »Der Informant sagte, so wie es aussah, war Peter freiwillig durch das Licht gegangen.«

   »Das glaube ich nicht. Peter würde nie freiwillig zurück auf Mawas Festung gehen«, entgegnete Hans.

   »Wir wissen nicht, warum und ob. Hoffen wir, dass er Mawas besiegen wird«, meinte Gunilla aufmunternd.