Dreier´s Bücherwelt: Der kleine Magier


   Rolf und Dieter saßen im Wohnzimmer und besprachen, wie sie den Fall abschließen konnten, als es an der Tür klingelte.

   Dieter stand auf, ging zur Eingangstür und schaute durch den Spion. Als er Peter vor der Tür stehen sah, öffnete er diese. Allerdings hatte er nicht mit einer weiteren Person gerechnet und erschrak.

   »Das ist mein Vater, er braucht Hilfe.«

   Dieter reagierte sogleich und rief nach Rolf. Gemeinsam halfen sie Hans, sich auf die Sitzgruppe im Wohnzimmer zu setzen. Hans war trotz der Heilung durch Peter immer noch geschwächt. Nur mühsam konnte er sich aufrecht halten.

   »Wer ist das?«, fragte Rolf.

   »Das ist mein Vater. Ich habe ihn aus der Festung von Mawas befreit.«

   Peter erzählte, wie er seinen Vater aus Mawas Festung zurück brachte. Rolf und Dieter waren erstaunt, in welch kurzer Zeit Peter dies geschafft hatte. Immerhin war er den beiden erst vor zwei Stunden davongelaufen.

   »Peter, ich habe eine Bitte an dich. Es geht um einen Kollegen von uns. Er wurde beim Bearbeiten der Explosion in eurem Haus verletzt.«

   Peter sah Rolf an. »Was könnte ich da tun, was nicht ein Arzt auch tun könnte?«

   »Wie soll ich es bescheiben. Hudma nav krost wac omte sa plu trawai.«

   Peter sah betroffen zu Boden. »Ich weiß nicht, ob ich dabei helfen kann. Es ist äußerst schwierig, den Zauber rückgängig zu machen. Vor allem, wenn der entsprechende Behälter fehlt.«

   Rolf machte ein besorgtes und zugleich verwirrtes Gesicht. »Was für ein Behälter?«

   »Der Behälter, in dem sich das befindet, was ihm fehlt. Seine Lebensenergie.«

   »Wo könnte sich dieser Behälter befinden?«

   »Vermutlich ist er in Mawas Labor. Er experimentiert gerne mit fremder Lebensenergie. Hoffentlich hat er sie noch nicht aufgebraucht.«

   »Und wie kommen wir an den Behälter?«

   »Das wird schwierig. Er hat meinen Fluchtweg vermutlich bereits entdeckt und abgesichert. Da er das hier bis morgen haben will, wird er sicherlich heute noch einiges versuchen, daran zu kommen.«

   »Wie lange kann Pauls Körper existieren ohne Schaden zu nehmen?«

   »Wenn er die Lebensenergie nicht innerhalb von zwei Monaten zurück bekommt, gibt es keine Möglichkeit mehr ihm zu helfen.«

   Während Rolf sich mit Peter unterhielt, kümmerte sich Dieter um Hans. Er versorgte ihn mit Essen und Trinken.

   »Wird Mawas nicht nach dir und deinem Vater suchen?«

   »Nein. Er weiß, wo wir uns befinden.«

   »Woher soll er das wissen?«

   »Einer seiner Diener ist mir auf dem Weg hierher gefolgt. Wir müssen möglichst schnell zu Gunilla. Kannst du mir helfen, mit meinem Vater zu ihr zu gehen?«

   »Wir werden euch dabei helfen«, meinte Dieter und nickte Rolf zu.

   »Lasst uns gleich aufbrechen. Mawas wird nicht lange warten, bevor er seinen ersten Angriff startet«, meinte Peter, als er aufstand und zu seinem Vater ging.

   Peter half seinem Vater aufzustehen, da dieser immer noch etwas wackelig auf den Beinen war. Gemeinsam verließen sie die Wohnung und gingen zur Festweise. Es waren nur wenige hundert Meter bis zum Eingang in die Unterwelt. Sie befanden sich etwa fünfzig Meter von Dieters Wohnung entfernt, als eine heftige Explosion zu hören war. Alle vier sahen in die Richtung, aus der der Donner kam.

   »Meine Wohnung!«, rief Dieter entsetzt.

   »Schnell! Wir müssen uns beeilen. Er wird sicher bald merken, dass wir nicht mehr dort waren.«

   Peter zog am Arm seines Vaters und drängte ihn schneller zu gehen, Rolf und Dieter folgten ihnen. Sie waren gerade am Eingang, als sie einige von Mawas Dienern sahen. Kurz bevor die Diener sie erreichten, waren sie auf dem Weg nach unten.

   »Das war verdammt knapp«, bemerkte Dieter, während die Plattform sich weiter nach unten bewegte.

   

   Sabine wartete ungeduldig auf die Ankunft von Peter und seinem Vater. Als die Plattform hörbar zum Stehen kam und sich die Tür öffnete, ging sie sogleich darauf zu.

   »Kommt bitte mit. Gunilla erwartet euch bereits.«

   »Was ist passiert?«

   »Mawas hatte einen seiner Diener hier eingeschleust. Wir haben es erst bemerkt, als er an ihn berichtete.«

   »Wenn es einer geschafft hat, dann sind bestimmt noch mehr hier«, meinte Peter bedrückt.

   Während sie auf dem Weg zu Gunilla waren, streckte Peter seine magischen Fühler aus, um nachzusehen, ob sich ein weiterer Diener in seiner Nähe befand. Es dauerte ein paar Minuten, bis sie das Büro der Königin erreicht hatten. Sabine klopfte nicht an, sie öffnete einfach die Tür und ging sofort hinein. 

   Gunilla stand gerade vor einer Karte, als sie eintraten. Sie drehte sich um und ging ihnen entgegen.

   »Hallo Peter. Meine Herren.«

   »Wir müssen uns beeilen, Mawas kann jederzeit wieder zuschlagen. Ich benötige jetzt deine beiden Magier.«

   »Wieso wieder? Ist etwas passiert?«

   »Er hat meine Wohnung zerstört«, sagte Dieter grimmig.

   »Das tut mir leid. Wir werden versuchen, das in Ordnung zu bringen. Sabine, hol bitte Arnold und Wido.«

   Sabine nickte kurz und ging aus dem Zimmer.

   »Setzt euch doch. Es wird etwas dauern, bis sie hier sind«, meinte Gunilla.

   »Verzeiht meine Frage, aber was hat es mit den beiden auf sich?«

   »Es sind Magier. Sie werden mir beim Kampf gegen Mawas helfen«, erklärte Peter.

   Rolf nickte: »Was hast du vor?«

   Peter überlegte kurz, ob er es preisgeben sollte oder nicht. Gerade als er anfangen wollte zu sprechen, kamen die beiden Magier herein. Sie kamen der Aufforderung von Gunilla, sich zu setzen, nach.

   Peter wandte sich sogleich an die Magier.

   »Eure Aufgabe wird es sein, Mawas von mir abzulenken.«

   »Wie sollen wir das anstellen?«, fragte Wido.

   Peter sah die beiden einen Augenblick nachdenklich an.

   »Ich werde euch in mich verwandeln. So wird Mawas euch nicht von mir unterscheiden können. Mit etwas Glück merkt er den Schwindel nicht und ich bekomme genügend Zeit, um seine Vernichtung vorzubereiten.«

   Alle sahen Peter gespannt an. Ihnen stand die Frage »Wie soll das gehen?« ins Gesicht geschrieben. Als Peter dies registrierte, sagte er nur: »Gunilla, kann ich dein Bad benutzen?«

   »Ja, bitte«, Gunilla zeigte auf eine Tür.

   »Kommt bitte mit.«

   Alle drei gingen in das Bad. Peter sah noch einmal zu seinem Vater, dann schloss er die Tür.

   

   »Setzt euch bitte auf den Boden«, sagte Peter und tat es auch. »Ich werde euch beide nun so verändern, dass ihr ausseht wie ich. Es wird nicht weh tun, aber ihr werdet dabei ein seltsames Gefühl verspüren, so als ob ihr am ganzen Körper gleichzeitig berührt werdet. Noch eine Bitte: Was ich jetzt mache, darf diesen Raum nicht verlassen. Ihr dürft es keinem erzählen.« 

   Beide waren einverstanden. Peter nickte zurück und erhob sich. »Bleibt bitte sitzen.«

   Er nahm den Beutel mit dem schwarzen Pulver hervor und öffnete ihn. Die beiden Magier am Boden zuckten kurz zusammen, denn sie spürten die Macht, die von ihm ausging. Peter nahm eine winzige Menge davon und blies es den beiden entgegen. Das Pulver hatte die Magier noch nicht erreicht, da begann er bereits den Zauber zu vollziehen.