Dreier´s Bücherwelt: Der kleine Magier


   Rolf und Dieter waren wieder in ihrem Büro, als Gunilla eintrat.

   »Peter und sein Vater sind wieder bei uns«, sagte sie.

   »Was haben sie gesagt?«, fragte Rolf.

   »Es sieht nicht gut aus«, begann Gunilla mit ihrer Erzählung.

   Während Gunilla von Peter und seinem Vater berichtete, hörten Rolf und Dieter zu. Je mehr sie erfuhren, desto erschrockener wirkte Rolf und verwunderter Dieter. 

   »Wo sind sie jetzt?«, fragte Rolf. »Wir müssen unbedingt mit Peter reden.«

   »Sie sind wieder oben. Sie wohnen auf dem Wohnwagengelände hinter der Kirche. In einem silbergrauen Wohnmobil.«

   Rolf und Dieter bedankten sich bei ihr und geleiteten sie bis zum Ausgang des Präsidiums. Danach fuhren sie auf direkten Weg zum Wohnwagenplatz. Dort angekommen suchten sie Hans und Peter.

   »Dort vorne, das könnte er sein«, meinte Dieter.

   Zusammen gingen sie zu dem Wohnmobil und klopften an.

   »Peter! Estoma holpa xatu gan. Trano nom Rolf.«

   Beide lauschten in das Innere, hörten aber nichts.

   »Vielleicht sind sie ja weggegangen«, meinte Dieter.

   »Nein. Zumindest Peter befindet sich im Wagen. Ich kann seine Magie spüren.«

   »Peter, wir brauchen deine Hilfe. Einer von uns ist durch Mawas schwer verletzt worden«, rief Rolf gegen den Wagen.

   Kaum hatte er den Satz beendet, wurde die Tür aufgerissen. Peter stand mit verweinten Augen vor ihnen.

   »Was ist passiert?«, fragte Rolf sogleich, als er die Tränen sah.

   »Er hat meinen Vater. Er wird ihn töten«, schluchzte Peter.

   »Lass uns das drinnen bereden«, meinte Rolf und bat Peter, ihn und Dieter hineinzulassen.

   Nachdem sie sich im Inneren des Wohnmobils gesetzt und die Tür geschlossen hatten, begann Peter zu schildern.

   »Er hat uns am Ausgang der Festwiese mit einigen seiner Diener aufgelauert. Ich habe alles getan, was ich konnte, aber es waren zu viele. Sie haben meinen Vater gefangen und dann sind sie verschwunden. Mawas sagte mir noch, dass er ihn tötet, wenn ich ihm das Pulver nicht innerhalb von drei Tagen übergebe.«

   »Das darfst du auf keinen Fall. Er würde deinen Vater und dich sofort töten«, warnte Rolf. »Weißt du, wo er ihn hingebracht haben könnte?«

   »Ja, in seine Festung.«

   »Und wo liegt diese Festung?«

   »Sie ist zwischen dem Hier und Dort.«

   Rolf und Dieter sahen Peter verständnislos an. Als Peter den Gesichtsausdruck der beiden bemerkte, fügte er hinzu:

   »Sie liegt in einer Zwischenwelt. Man gelangt nur durch ein magisches Tor dorthin.«

   »Und wo befindet sich ein solches Tor?«, hakte Dieter nach.

   »Eines ist in der Stadt. Ich habe es aufgebaut, als ich noch bei ihm war. Mawas weiß nichts davon.«

   »Dann könnten wir unbemerkt zu ihm gelangen und deinen Vater befreien«, meinte Rolf.

   »Ich glaube nicht, dass es uns gelingt. Die Festung ist wie ein Lebewesen. Alles, was dort vor sich geht, weiß auch Mawas. Der einzige Raum, den wir unbemerkt betreten könnten, wäre mein altes Zimmer. Dort führt auch das Tor hin.«

   Die Drei berieten sich noch einige Zeit. Als die Sonne fast untergegangen war, verabschiedeten sich Rolf und Dieter.

   »Möchtest du nicht lieber mit uns kommen? Du könntest bei mir übernachten«, schlug Dieter vor.

   »Nein, danke. Ich möchte dich nicht in Gefahr bringen. Mawas weiß, wo ich mich aufhalte. Es ist besser, wenn ich hier bleibe.«

   Rolf und Dieter waren noch keine zehn Schritte von dem Wohnwagen entfernt, als ein gewaltiger Blitz in ihn einschlug. Die entstandene Druckwelle riss die beiden Polizisten von den Beinen und schleuderte sie über zehn Meter weit durch die Luft. Als sie sich wieder aufrappelten und zum Wohnwagen sahen, war dort nur ein großes Loch zu sehen. Sie liefen zu der Stelle, an der vor kurzem noch der Wohnwagen stand, und riefen nach Peter. Als sie an dem Loch eintrafen, sahen sie hinein. Es maß etwa zehn Meter im Durchmesser und hatte eine Tiefe von fast vier Metern. Rolf leuchtete mit einer Taschenlampe hinein und suchte das Loch ab. Es war nichts zu sehen, auch keine Metallteile von dem Wohnwagen.

   »Ob er noch am Leben ist?«, fragte Dieter.

   »Wenn er im Wagen war, als der Blitz einschlug, dann bestimmt nicht mehr.«

   Rolf und Dieter suchten noch eine Weile das Loch und die nähere Umgebung ab, fanden Peter jedoch nicht. Es dauerte nicht lange, da kamen die ersten Schaulustigen aus ihren Wagen gestiegen. Rolf benachrichtigte seine Kollegen. Sie sollten das Loch und die Spuren sichern. In kürzester Zeit trafen sie ein und begannen, die Schaulustigen fernzuhalten. Den Kollegen erzählten sie, dass ein Blitz einen Wohnwagen getroffen hat und das Loch dadurch entstanden war. Dann verließen sie den Platz und begaben sich zur angrenzenden Straße. Ein Knacken im Gestrüpp ließ sie aufhorchen.

   »Kann ich mit euch kommen?«, fragte Peter, als er plötzlich vor die Beamten trat.

   »Du lebst?!«, kam es beiden fast gleichzeitig über die Lippen.

   »Wie hast du ...?!«, Rolf fand keine Worte.

   »Wenn ihr es geglaubt habt, dann vielleicht auch Mawas.«

   »Lasst uns von hier verschwinden«, meinte Dieter und ging voran.

   Dieter wohnte nicht weit von dem Wohnwagenplatz entfernt. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg dorthin.