Dreier´s Bücherwelt: Der kleine Magier


   Mawas hatte seine Vorbereitungen abgeschlossen und ging in seine Meditationskammer. Dort setzte er sich auf den Boden und schloss die Augen.

   »Hallo Peter. Ich weiß, dass du mich hören kannst. Gib mir das Pulver zurück und ich lasse euch alle am Leben. Wenn nicht, werde ich mit deinem Vater beginnen. Du weißt, wozu ich fähig bin.«

   Kurz darauf erhob er sich wieder und verließ die Kammer. Nachdenklich ging er den Korridor zu seiner Aussichtsplattform entlang.

   »Meister, er ist in den Untergrund gegangen«, sagte einer seiner Diener.

   Mawas hörte nur eine entfernte Stimme. Als sein Diener das Gesagte wiederholte, verstand Mawas es deutlicher.

   »Danke. Versucht zu ihnen zu gelangen, damit wir erfahren, was er vorhat.«

   Mawas öffnete die Tür zur Aussichtsplattform und ging nach draußen. Dort stellte er sich an das Geländer, das die Terrasse umgab, und sah in die Ferne.

   Unter ihm lag ein Tal, das unwirklich wirkte. Es war zerklüftet und hatte tiefe Einschnitte, in denen Lava floss. Die aufsteigenden Dämpfe waren gelblich verfärbt und stanken nach faulen Eiern. Auf den wenigen nicht von Lava überspülten Flächen gab es kein Leben. Es war eine trostlose Landschaft, die Mawas liebte und aus der er seine Kraft schöpfte.

   Langsam hob er seine Arme und sprach vor sich hin. Die Oberfläche der Lavaströme veränderte sich. Das anfängliche dunkelrote Glühen ging in ein hellrotes grelles Leuchten über. Zuerst stiegen nur vereinzelt Energieströme empor, die Mawas in sich aufsog. Kurze Zeit später waren es so viele, dass die umgebende Luft zu knistern und wabern begann. Wenige Minuten später verebbten die Ströme und Mawas senkte seine Arme. Sichtlich erleichtert und gestärkt begab er sich in sein Labor.

   »Nur noch drei Tage. Ich muss das Pulver unbedingt haben.«

   Mawas stand vor seinem Labortisch und starrte auf die dort stehenden Utensilien. 

   »Er hat mich betrogen und belogen«, Mawas fegte mit einem Handstreich den Tisch leer. Die Glasbehälter zersprangen in tausende Stücke und die Flüssigkeiten verbanden sich mit den Pulvern. Plötzlich entwickelte sich daraus Rauch. Zuerst nur zaghaft, dann jedoch immer stärker. Als Mawas dies in seinem Zorn bemerkte, schleuderte er das Durcheinander aus dem Fenster in die Lavaströme.

   »Peter! Ich verfluche dich! Ich werde dich töten, sobald ich mein Eigentum wiederhabe!«, schrie er gegen die Decke. 

   In diesem Augenblick kam ein Diener herein.

   »Meister, wir konnten jemanden in die Unterwelt einschleußen.«

   Mawas fuhr herum und starrte den Diener an.

   »Sehr gut. Dann dauert es nicht mehr lange.«

   Der Diener verneigte sich und ging. Mawas unterdessen freute sich über die gelungene Aktion.