Dreier´s Bücherwelt: Der kleine Magier


   Peter schreckte hoch und schrie.

   »Beruhige dich. Es war nur ein Traum«, sagte sein Vater, der neben seinem Bett stand.

   Peter sah sich verwirrt um, riss die Decke beiseite und betrachte seinen Körper. Er war unversehrt und sein Beutel war noch da. Dann sah er seinen Vater an.

   »Du ... er ... tot?«, stammelte er mit Tränen in den Augen und umarmte seinen Vater.

   »Ganz ruhig. Es war nur ein böser Traum. Es ist alles gut.«

   Nach einiger Zeit hatte sich Peter so weit beruhigt, dass er sinnvolle Sätze bilden konnte.

   »Mawas war hier. Er hat das Pulver an sich genommen und dich umgebracht. Danach hat er es mit mir versucht.«

   »Wie du siehst, lebe ich noch und dein Zimmer sieht immer noch so aus wie vorhin.«

   »Er ist uns auf der Spur. Sicherlich hat er mir diesen Traum als Warnung geschickt.«

   »Das glaube ich nicht. So schnell wird er uns hier nicht finden. Diese Stadt ist von einem Gestein umgeben, das keine magische Energie hindurchlässt.«

   »Es wird nichts nützen«, sagte Peter entmutigt und senkte seinen Kopf. »Die Energie des Pulvers kann es nicht abhalten, sie ist zu stark.«

   »Das glaube ich nicht«, wiederholte Hans kopfschüttelnd.

   »Lass es von Lukas überprüfen«, dabei sah er seinen Vater verzweifelt an. »Ich bringe alle hier in Gefahr. Wir müssen so schnell als möglich weiterziehen. Er wird uns finden.«

   »Beruhige dich erst einmal. Wir sind gerade hier angekommen. Er kann uns noch nicht gefunden haben. Ich werde Lukas gleich darum bitten.«

   Hans stand auf, ging zur Sprechanlage und rief Lukas. Kurz darauf stand dieser vor der Tür.

   »Es klang sehr besorgt. Was ist passiert?«

   »Komm herein und setze dich. Ich muss dir erst etwas über Peter erzählen.«

   Lukas trat ein und setzte sich. In der Zwischenzeit war auch Peter im Wohnbereich. Hans fing sogleich an zu berichten, was es mit Peter und dem Beutel auf sich hatte. Während dessen hatte Peter den kleinen Beutel hervorgeholt und ihn Lukas gezeigt.

   »Das Gestein ist sehr stark. Ich glaube nicht, dass die Energie ausreicht, um es zu durchdringen«, versicherte er Peter.

   »Wenn sich hier ein Magier aufhält, der Energien aufspüren kann, dann lasst ihn zu mir kommen«, schlug Peter vor.

   Lukas nickte, stand auf und verließ die Unterkunft. Es dauerte nicht lange, da klopfte es erneut an die Tür.

   »Peter, das ist Finn, unser fähigster Zauberer hier«, stellte Lukas vor.

   »Hallo Finn. Ich möchte wissen, ob man die Energie dieses Pulvers außerhalb dieser Stadt spüren kann.«

   »Das ist nicht möglich. Jede Art von Energie wird von dem Gestein absorbiert. Nichts kann nach außen dringen«, meinte Finn etwas überheblich.

   Peter öffnete den Beutel und tupfte vorsichtig mit dem Zeigefinger auf das Pulver. Langsam zog er den Finger wieder aus dem Beutel und zeigte ihn Finn. Dessen Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig. Je näher Peter mit seinem Finger an ihn heranging, desto ängstlicher wirkte er.

   »Halt. Das reicht«, sagte Finn plötzlich und wich zurück.

   Peter steckte den Finger zurück in den Beutel und schüttelte das Pulver ab.

   »Sehen Sie bitte nach, ob Sie diese Signatur außerhalb wiederfinden«, bat Peter ruhig.

   »Die Energie ist gewaltig. Dass eine nur so geringe Menge so viel Energie beinhalten könnte, hätte ich nie für möglich gehalten. Was ist das für ein Pulver?«

   »Das kann ich Ihnen nicht sagen. Je weniger von der Existenz und deren Beschaffenheit wissen, desto besser ist es.«

   »Ich verstehe. Ich werde mich sogleich an die Oberfläche begeben und nach der Signatur Ausschau halten.«

   Finn verabschiedete sich hastig und ging.

   »Selbst ich habe die Energie gespürt, obwohl ich keine magischen Fähigkeiten besitze. Sie ist wirklich sehr stark«, sagte Lukas erstaunt.

   »Aus dieser Entfernung ist es normal, dass auch Nichtmagier die Energie spüren«, meinte Peter erklärend. »Sie wollten mir doch die Schule zeigen?«

   Lukas nickte, dann sah er Hans fragend an.

   »Nehmen Sie ihn ruhig mit, etwas Abwechslung wird ihm gut tun.«

   Lukas und Peter verließen die Unterkunft. Sie liefen mehrere Minuten durch verschiedene Gänge. Peter hatte bereits nach kurzer Zeit die Orientierung verloren. Als sie anhielten, sah er Lukas fragend an.

   »Mach dir keine Sorgen. Es ist ganz einfach, sich hier zurechtzufinden. Die Tunnel sind ringförmig angeordnet, so dass man immer zum Ausgangspunkt zurückkommt. Zwischen den Ringen gibt es immer sechs Verbindungen zu dem nächsten. Um die Richtung zu ermitteln, bedienen wir uns dieser Symbole.« Lukas zeigte auf ein Symbolpaar, das an der Wand angebracht war. »Diese Symbolpaare findest du überall in den Seitengängen. Sie sind immer zum Zentrum hin ausgerichtet. Dieses Symbol zeigt dir, dass wir uns vom Zentrum entfernen, das daneben bedeutet, dass wir uns dem Zentrum nähern. In den Ringen findest du die gleichen Symbole, dort aber nicht nebeneinander sondern immer gegenüber. Du siehst, es ist ganz einfach.«

   »Gibt es eine Karte dieser Stadt?«, wollte Peter wissen.

   »Ja. In jedem Ring findest du eine Nische, die durch einen Vogel gekennzeichnet ist. Darin befindet sich eine Karte, die dir deinen Standort zeigt.«

   Peter sah Lukas ungläubig an.

   »Was ist? Glaubst du mir etwa nicht?«

   »Doch. Aber ist es nicht gefährlich?«

   »Nein. Sollte jemand hier eindringen, verschwinden diese sofort. Es sind magische Karten.«

   Peter nickte beruhigt.

   »Lass uns weitergehen. Es ist nicht mehr weit.«

   Sie gingen noch ein paar Minuten weiter, bis Lukas vor einer Tür, über der ein Einhorn zu sehen war, stehen blieb.

   »Dies ist unsere Schule für magische Künste.« Er öffnete die Tür und trat mit Peter ein. Als Lukas die Tür geschlossen hatte, wurde es zuerst dunkel.

   »Es wird gleich wieder hell«, sagte Lukas zur Beruhigung.

   Kurz darauf wurde es langsam hell. Es dauerte nur wenige Sekunden, da konnte Peter bereits die ersten Umrisse erkennen. Je heller es wurde desto erstaunter starrte er in die vor ihm liegenden Weite. Erst als Lukas ihn anstieß, wurde er aus seiner Erstarrung gerissen. Vor ihm lag eine Landschaft, die sich unendlich weit in alle Richtungen zu erstrecken schien. Sie war von hohen Bergen umrandet. Die Ebene war mit saftig grünem Gras bedeckt und ging zu den Bergen hin langsam in Wald über. Ein schmaler Bach schlängelte sich bis zum Horizont. Nicht weit entfern stand eine kleine Hütte.

   »Wie kann das sein?«, fragte Peter. Er konnte seinen Augen immer noch nicht trauen.

   »Das kann dir Finn besser erklären als ich. Er ist dort drüben in der Hütte.«

   Peter sah Lukas zuerst unsicher an, dann ging er langsam in die Ebene. Um zu der besagten Hütte zu gelangen, musste er den Bach überqueren. Mitten auf der Brücke hielt er an. Er beobachtete die Fische im Bach, die in unterschiedlichen Größen und Farben sich gegenseitig zu jagen schienen. Fasziniert sah er sich das kleine Schauspiel eine Weile an, dann ging er weiter. Kurze Zeit später waren er und Lukas an der Hütte angekommen. Sie bestand aus Holz und maß etwa zehn mal zehn Meter. Gerade als Peter anklopfen wollte, ging die Tür auf.

   »Komm herein, Peter«, sagte eine Stimme aus dem Inneren.

   Peter trat zögernd ein, dabei sah er sich nach Lukas um. Der ihn ermutigte weiterzugehen. Zusammen betraten sie die Hütte und begaben sich zu dem Tisch, der in der Mitte stand. Dort saß Finn und blickte ihnen entgegen.

   »Hallo Peter, Lukas. Ich freue mich, dass du zu mir gekommen bist, Peter. Bitte setze dich.«

   Peter setzte sich auf den ihm angebotenen Stuhl. Lukas verabschiedete sich und verließ die Hütte.

   »Du hast mich darum gebeten, die Energie deines Beutels außerhalb der Stadt aufzuspüren und ich muss zugeben, du hattest recht. Die Signatur deines Pulvers ist sehr stark und durchdringt unser Schutzgestein ohne Mühe.« Finn machte eine kurze Pause, um nachzudenken. »Ich wüsste zu gerne, woraus es besteht.«

   »Das darf ich dir nicht sagen. Es ist zu gefährlich. Je weniger von der Existenz und der Zusammensetzung des Pulvers wissen, desto besser.«

   »Ich verstehe. Wozu wird es eigentlich verwendet?«

   »Es verstärkt jeden Zauber, den man damit anwendet. Ganz gleich welchen.«

   »Wenn es so gefährlich ist, warum zerstörst du es nicht?«

   »Das könnte ich tun. Aber es besitzt so viel Energie, dass dabei das halbe Universum zerstört werden würde.«

   Bei den letzten Worten von Peter zuckte Finn zusammen. Er konnte und wollte nicht glauben, dass in einem so unscheinbaren Pulver so viel Energie steckt.

   »Nun gut. Belassen wir es erst einmal dabei. Komm mit, ich zeige dir unsere Schule.« Finn stand auf und ging um den Tisch herum. Peter blieb sitzen.

   »Was ist?«

   »Das Pulver. Es gehört nicht mir. Ich habe es von meinem Meister gestohlen, als ich geflohen bin.«

   Finn sah Peter nachdenklich an. »Das dachte ich mir bereits. Wer war dein Meister und wovor bist du geflohen?«

   »Sein Name ist Mawas.«

   Finn schrak zurück, als er den Namen hörte.

   »Ich bin vor ihm geflohen. Er wollte, dass ich so werde wie er.«

   »Oh nein!? Und ihm gehört das Pulver?«

   »Ja.«

   »Dann wird er ...«

   »Er hat es bereits versucht. Er wird uns auch hier finden. Deshalb muss ich so schnell wie möglich wieder von hier weg. Ihr seid sonst alle in Gefahr.«

   »Was meinst du, wie viel Zeit er brauchen wird, um dich hier aufzuspüren?«

   »Wenn nicht bereits einer seiner Diener hier ist, vielleicht zwei Wochen.«

   »Einer seiner Diener?«

   »Ja. Er benutzt Menschen als seine Diener.«

   »Menschen haben hier keinen Zutritt. Also musst du dir darüber keine Sorgen machen.«

   Peter senkte den Kopf. »Er nimmt ihnen alle Lebensenergie und belebt sie wieder mit dunkler Magie. Sie würden sie nicht einmal erkennen, wenn einer vor Ihnen stünde. Sie sind von den Anderen und Magiern nicht zu unterscheiden.«

   Finn konnte nicht glauben, was er gerade erfahren hatte. »Wenn das so ist, gibt es ein Erkennungsmerkmal, das wir benutzen könnten?«

   »Ja. Sie haben kein Innenleben.«

   »Was meinst du damit?«

   »Es sind nur leere Hüllen. Sie haben weder Gehirn noch Innereien.«

   Finn wurde blass. Er konnte sich nicht vorstellen, dass so eine Kreatur lebensfähig war.

   Beide unterhielten sich noch eine Zeitlang über die Diener und deren Eigenschaften.

   »Es ist, wie ich es sage. Sie haben uns in Neustadt aufgelauert und beinahe getötet. Aus diesem Grund sind wir nach Hamburg gegangen.«

   »Das ändert natürlich einiges. Aber das soll jetzt nicht deine Sorge sein. Komm mit, ich zeige dir die Ausbildung bei uns.«

   Finn und Peter verließen die Hütte.

   »Wie habt ihr das hier gemacht?«, wollte Peter wissen.

   »Dieser Ort befindet sich nicht in der Stadt. Wir sind hier in einem geheimen, weit entfernten Ort. Man kann nur durch ein magisches Tor hierhergelangen.«

   Peter war beeindruckt von dem, was Finn ihm sagte, und von der Schönheit der Landschaft um ihn herum. Während sie liefen, erzählte ihm Finn, wie er diesen Ort gefunden und für die Ausbildung der jungen Magier verwendete. Es dauerte nicht lange, da sah Peter ein Sandsteingebäude. Darauf gingen sie zu.

   »Das ist die Schule. Hier lernen die Schüler die Grundlagen der Magie. Hinter dem Gebäude ist eine Arena. Dort können die Schüler ihr erlerntes Wissen in die Praxis umsetzen.«

   »Ist das nicht gefährlich?«

   »Nein. Die Arena ist mit einem starken Schutzschild umgeben. Bisher hat es noch keiner geschafft, ihn zu durchdringen.«

   »Ich würde gerne in die Arena gehen.«

   »Ich glaube, zurzeit übt eine Abschlussklasse. Da können wir eventuell zusehen.«

   »Gibt es hier viele Magier?«

   »Nein. Hier befinden sich lediglich elf. Du musst wissen, dass in den letzten einhundert Jahren nur drei Kinder mit magischen Fähigkeiten geboren wurden.«

   »Das stimmt wohl nicht ganz«, meinte Peter.

   »Oh, entschuldige. Deine Geburt wurde uns nicht angezeigt. Alle Kinder, die magische Fähigkeiten besitzen, werden hier ausgebildet. Nur wenige von ihnen schaffen es bis zum Ende der Ausbildung. Die meisten beherrschen nur ein oder zwei Kategorien.«

   Finn und Peter gingen um das Schulgebäude herum. Dort stand die Arena. Sie war wesentlich größer, als Peter dachte. Sie maß etwa einhundert mal fünfzig Meter und war etwa fünfzehn Meter hoch. Von ihr ging eine Energie aus, die er so noch nie gespürt hatte.

   »Sie strahlt eine seltsame Signatur aus«, bemerkte Peter.

   »Du bist der erste, den ich kenne, der sie spüren kann. Beeindruckend. Lass uns hineingehen.«

   Finn öffnete die Eingangstür und bat Peter vorzugehen. Sie liefen zum anderen Ende der Halle und dort durch eine Tür, die in das Innere der Arena führte. Es befanden sich drei Schüler und Lehrer am Rande des Platzes. Sie waren gerade dabei, mit den Prüfungen zu beginnen, als Finn und Peter in die Arena traten.

   »Entschuldigt bitte unser Eindringen, aber mein Freund Peter würde sich gerne einige Prüfungen ansehen«, sagte Finn zu den Anwesenden.

   Die Lehrer und Schüler berieten sich kurz.

   »Ihr könnt von dort drüben zusehen«, sagte einer der Lehrer.

   Finn und Peter gingen zu der Stelle, die man ihnen gezeigt hatte. Von dort aus konnte man die gesamte Arena überblicken. Peter sah gespannt zu den Wartenden.

   »Was werden sie als Prüfung zeigen?«

   »Das weiß ich nicht. Jeder Schüler kann am Anfang das tun, was er am besten kann. Danach muss er eine von seinem Lehrer gestellte Aufgabe lösen.«

   Peter war so aufgeregt, dass er nervös mit den Füßen trippelte. Einer der Schüler löste sich von der Gruppe und ging zur Mitte der Arena. Es dauerte nicht lange, da entsandte er seine Magie und schuf damit einen riesigen Feuerball, den er durch die Luft tanzen ließ. Er veränderte ihn, ließ ihn kleiner und wieder größer werden, wobei er die Farbe wechselte. Auf einmal schwebte er in Richtung Peter und Finn. Kurz bevor er sie erreichte, blieb er in der Luft stehen, wuchs in seiner Größe an und zerplatzte. Tausende kleine bunte Funken regneten auf den Boden. Peter war so begeistern, dass er applaudierte. Die Schüler und Lehrer hörten dies und sahen strafend zu ihm. Als er dies bemerkte, hörte er sogleich damit auf und sah verlegen zu Boden.

   »Es ist nicht üblich, dass während der Prüfungen kommentiert wird«, erklärte Finn.

   »Das wusste ich nicht. Entschuldige.«

   Der nächste Schüler betrat die Innenfläche der Arena und bereitete seinen Zauber vor. Neugierig sah Peter zu ihm. Der Schüler setzte sich auf den Boden und konzentrierte sich. Kurz darauf fing er an zu schweben. Langsam gewann er an Höhe. Nachdem er etwa fünf Meter emporgestiegen ist, wurde er schlagartig größer. Seine Beine standen wieder auf dem Boden, so riesig war er jetzt. Im nächsten Augenblick war er verschwunden. Nur ein kleiner leuchtender Punkt schwebte an der Stelle, wo zuvor noch der Riese stand. Dann verblasste das Leuchten zunehmend, bis nichts mehr zu sehen war.

   

   Die Prüfungen dauerten noch an, als Peter sich an Finn wandte.

   »Die Energiequelle ist schon sehr alt. Sie wird nicht mehr lange bestehen.«

   »Woher willst du das wissen?«, fragte Finn erstaunt.

   »Der Stein, der sie abgibt, ist fast verbraucht.«

   »Das kann ich nicht glauben. Lass uns zur Quelle gehen und es prüfen.«

   Finn und Peter verließen die Arena. Die Quelle der Energie befand sich unterhalb der Arena. Hierzu mussten sie durch eine kleine Tür an der Außenmauer. Finn ging voran die Treppe hinunter, Peter folgte ihm. Ein weiter Gang führte zur Mitte des Gebäudes. Dort gab es einen Raum, in dessen Mitte eine Säule stand. Auf der Säule befand sich ein unscheinbarer kleiner blauer Stein. Finn ging zu dem Stein und breitete seine Hände darüber aus. Er fühlte die Energie, die von dem Stein ausging. Bereits nach kurzer Zeit senkte er die Hände.

   »Du hast recht. Seit meinem letzten Besuch sind die Energie und das Leuchten schwächer geworden.«

   »Wenn Sie möchten, kann ich versuchen, ihn wieder aufzuladen.«

   »Ich bezweifle, dass du das kannst. Niemand weiß, wie der Stein funktioniert und woher er die Energie bezieht. Wir werden wohl die Arena aufgeben müssen, wenn wir nicht einen neuen Stein finden.«

   »Lasen Sie es mich versuchen«, flehte Peter ihn an.

   »Und wenn es nicht funktioniert und die Energie gänzlich entweicht? Das können wir nicht riskieren. Warten wir besser, bis die Prüfungen beendet sind.«

   Gemeinsam gingen sie zurück zu den Prüflingen. Die Prüfungen waren noch nicht zu Ende. Der letzter Schüler war gerade dabei, die Aufgabe seines Meisters zu lösen. Er wirkte nervös. Zuerst wollte ihm der Zauber nicht gelingen. Nur langsam sah man, wie sich etwas formierte. Es dauerte einige Zeit, bis eine Wand aus purer Energie mitten in der Arena stand. Sein Meister schien zufrieden und gab ihm das Zeichen, den Zauber aufzuheben. Der Schüler versuchte es, aber die Wand verschwand nicht. Sie wurde nicht kleiner, sie wuchs immer weiter an. Peter sah die Panik in den Augen des Schülers. Kurz darauf griff dessen Meister ein, aber auch er konnte das Wachstum der Wand nicht aufhalten. Dann versuchten es alle anwesenden Magier, sogar die Schüler griffen mit ein. Aber etwas schien hier nicht zu stimmen. Je mehr Magie auf die Wand eintraf, desto rascher wuchs sie. Sie hatte die Begrenzung der Arena bereits erreicht und somit die erste Schutzbarriere. Aber es geschah nichts. Die Wand wuchs über die Barriere hinaus, ohne dass sie aufgehalten wurde.

   »Die Barriere ist zu schwach!«, rief einer der Magier. »Schnell, wir müssen hier raus!«

   Alle rannten zu den Ausgängen.

   »Die Wand wird alles zerstören, wenn die Barriere sie nicht aufhalten kann«, meinte Finn zu Peter.

   »Rutko garfos brenta dokt!«, aber es geschah nichts. Die Wand wuchs weiter. Daraufhin nahm Peter seinen kleinen Beutel hervor und entnahm etwas von dem Pulver.

   »Rutko garfos brenta dokt!«, er blies das Pulver gegen die Wand. Abrupt stoppte das Wachstum.

   »Hil krate ver kla!«

   Die Wand fing an zu schrumpfen. 

   Wie gebannt starrte Finn auf die kleiner werdende Wand. Er konnte nicht glauben, was er sah.