Dreier´s Bücherwelt: Dranchenfreunde


   Tinggal hatte sich von dem Schlag nur langsam erholt. Als er sich umsah und Pergi und Musuh nicht fand, ahnte er, was passiert war. So schnell als möglich raffte er sich auf und ging zur Vordertür. Sie stand halb offen, was seinen Verdacht bestätigte: Musuh hatte seinen Bruder. Mit aufsteigender Wut riss er die Tür auf und stürmte nach draußen. Nahe der Ställe erkannte er zwei Figuren, es waren Pergi und Musuh. Mit mächtigen Schritten eilte er zu ihnen.
   »Musuh! Lass ihn in Ruhe!«, schrie er ihm entgegen.
   Als Tinggal nur wenige Meter von den beiden entfernt war, blieb er wie angewurzelt stehen.
   Pergi´s Blick hatte sich verfinstert. Sein Körper bebte vor Zorn. Aus seinem Mund kam weißer Rauch. Kleine Flammen züngelten bereits über seine Lippen, als Musuh mit offenem Mund stehen blieb.
   »Geh ... nach ... Hause!«
   Die Stimme von Pergi war wie eine lodernde Flamme, brodelnd und knisternd, sein Atem so heiß wie das Feuer einer Schmiede. Als Musuh erneut ansetzte ihn zu fassen, geschah das, womit keiner gerechnet hatte. Der Körper von Pergi wuchs in Sekundenbruchteilen und dabei veränderte er seine Gestalt. Nur wenige Augenblicke brauchte es und vor Musuh stand ein riesiger Drache. Musuh wollte noch wegrennen, aber ein gleißendes Licht verschlang seinen Körper.
   Tinggal beobachtete alles aus einiger Entfernung. Er war fasziniert und überrascht zugleich. Er benötigte einige Augenblicke, um seine Starre zu überwinden und zu Pergi zu gehen. Der hatte mittlerweile seine normale Gestalt wieder angenommen.
   »Das ... ist ...«, stammelte Tinggal, als er bei Pergi eingetroffen war.
   »Das bin ich, ein Drache. Ich werde wohl von hier weggehen müssen, jetzt wo ich einen Menschen getötet habe«, sagte Pergi traurig.
   »Nein. Du musst nicht weggehen. Musuh wird niemand vermissen. Keiner wird je fragen, wo er ist. Er war ein Spion der Obrigkeit, deshalb mochte ihn niemand.«
   »Aber die, für die er gearbeitet hat, werden ihn doch vermissen?«
   »Mach dir darüber keine Gedanken.« Tinggal umarmte seinen Bruder. »Bleib bitte hier.«
   »Hallo ihr beiden!«, rief Penyembuh.
   Ratlos trennten sich die beiden und sahen zu ihr.
   »Habt keine Angst. Von mir erfährt niemand etwas.« Als die Heilerin die beiden erreicht hatte, meinte sie mit einem Grinsen im Gesicht: »Es ist immer wieder beeindruckend, wenn ein neuer Drache geboren wird.«
   »Sie wussten davon?«, fragten die beiden fast gleichzeitig.
   »Ja. Aber lasst uns in die Hütte gehen, mein Tee wird sonst kalt.«
   

ENDE