Dreier´s Bücherwelt: Dranchenfreunde


   Mit schnellen Schritten eilten sie den Weg entlang. Penyembuh war gerade mit dem Versorgen der Tiere fertig, als die beiden dort eintrafen. Freudig überrascht über das Wiedersehen umarmten sich die Drei.
   »Wie ich sehe, seid ihr wohlauf. Hast du dein Ziel erreicht, Pergi?«, fragte die Heilerin.
   »Ja. Ein paar Erinnerungen fehlen noch, aber ich bin sicher, dass auch diese zurückkehren werden«, sagte Pergi.
   »Woher wusstest du, das mit dem Stein und Pergi?«, wollte Tinggal wissen.
   »Jetzt, da Pergi seine Erinnerungen wieder hat, kann er dir das sagen.«
   Tinggal sah abwechselnd die Heilerin und Pergi verwundert an.
   »Nehmt euch vor Musuh in acht. Er ist euch auf den Fersen«, meinte die Heilerin.
   »Das haben wir bemerkt. Er hat uns am Waldrand aufgelauert. Ich denke, es dauert nicht lange, und er wird uns einen Besuch abstatten«, sagte Pergi.
   »Lasst uns in der Hütte weiter reden«, meinte Tinggal.
   In der Hütte angekommen, entfachte Tinggal das Feuer und stellte einen Kessel mit Wasser darauf. Er nahm drei Becher und eine Dose vom Regal und ging damit zum Tisch.
   »Das Wasser wird gleich kochen. Ein Tee wird uns sicherlich guttun.«
   Als das Wasser kochte, gab Tinggal Tee in die Becher und goss das Wasser darüber.
   »Wie viel weiß dein Bruder von dir?«, fragte die Heilerin an Pergi gerichtet.
   Pergi verschluckte sich an dem Tee und musste husten. Es dauerte eine Weile, bis sich seine Kehle beruhigte und der Drang zum Husten nachließ. Dies verschaffte ihm allerdings die Zeit, um über die Frage nachzudenken.
   »Fast so viel, wie ich«, gab er zur Antwort.
   »Hm«, machte die Heilerin und sah dabei Pergi verschmitz an. »Dann kannst du es ihm ja zeigen?«
   Pergi erschrak bei dem Gedanken, was die Heilerin da vorschlug. »Ich ... bin mir nicht sicher, ob ...«
   Ein Klopfen an der Tür ließ ihn mitten im Satz anhalten.
   »Wer kann das sein?«, fragte Tinggal.
   »Musuh«, antwortete Pergi darauf.
   »Woher willst du das wissen?«
   »Ich spüre ihn«, meinte Pergi, stand auf und ging zur Tür. »Guten Tag Herr Musuh. Was kann ich für Sie tun?«, fragte er höflich.
   Musuh baute sich vor ihm auf und versuchte in die Hütte zu spähen. »Darf ich reinkommen?«
   »Aber bitte doch«, meinte Pergi und ging zur Seite.
   Als Pergi zum Tisch sah, war die Heilerin verschwunden. Musuh betrat die Hütte und begab sich zu dem Tisch in der Mitte des Raumes. »Hallo, Tinggal. Wie ich sehe, trinkt ihr gerade einen Tee.« Als er die dritte Tasse sah, fügte er hinzu: »Habt ihr Besuch?«
   »Nein. Ich dachte, Sie möchten vielleicht auch eine Tasse. Der Tee ist gerade fertig.«
   »Ich hatte euch die letzten Tage vermisst.«
   »Wir waren in den Bergen. Peri wollte mir zeigen, woran er sich noch erinnern konnte.«
   »Ich hoffe, es hat geholfen und er weiß jetzt wieder, woher er kommt?«
   »Leider nicht«, antwortete Pergi ihm. »Was wollen Sie eigentlich von mir?«, fragte er.
   »Nun. Es ist schon merkwürdig, dass ein Junge hier auftaucht, der dem verschwundenen vor zehn Jahren so ähnlich sieht.« Musuh sah in die Runde.
   Tinggal sah seinen Bruder verwundert an. »Ich denke, sie irren sich da. Er sieht meinem Bruder nicht so ähnlich, wie Sie meinen«, entgegnete Tinggal.
   »Ich finde, er sieht ihm sehr ähnlich. Alter, Größe, Aussehen, Haarfarbe, es stimmt alles überein. Ich wundere mich nur, dass er immer noch so jung ist.« Musuh bemerkte, dass Pergi plötzlich aschfahl wurde. »Geht es dir nicht gut Peri, oder sollte ich besser Pergi sagen?«
   Pergi musste sich setzen, um nicht hinzufallen. Ihm wurde schwindlig und übel zugleich. Alles drehte sich vor seinen Augen, und dann geschah das, wovor er am meisten Angst hatte. Musuh stürzte sich auf Pergi und hielt ihn mit eisernen Händen fest. Tinggal versuchte ihn daran zu hindern, was ihm aber nicht gelang. Mit einem gezielten Schlag auf das Kinn schickte Musuh Tinggal in das Land der Träume. Pergi war jetzt mit Musuh allein.
   Wo ist die Heilerin?
   Warum hilft sie mir nicht?
   Was mache ich jetzt?
   Diese und weitere Fragen überfluteten seine Gedanken. Wie in Trance nahm Pergi war, dass Musuh ihn hochhob und zur Tür schleifte, die kleine Treppe hinunter und weiter über den Vorplatz der Hütte.
   »Stell dich nicht so an und bewege dich endlich«, schrie Musuh Pergi an.
   In diesem Augenblick wusste Pergi, was er tun musste. Mit einem Ruck löste er sich aus dem Griff und entfernte sich einige Schritte. Für Musuh kam das so überraschend, dass er nichts entgegenzusetzen hatte.
   »Lass mich in Ruhe, oder du wirst es bereuen!«, schrie er Musuh an.
   »Was willst du kleiner gegen mich ausrichten?«
   »Geh nach Hause, oder dies ist dein letzter Tag.«
   Musuh ließ sich nicht beeindrucken. Mit zornigem Blick ging er auf Pergi zu. Nur noch zwei Schritte von ihm entfernt blieb Musuh vor Schreck stehen.