Dreier´s Bücherwelt: Dranchenfreunde


   Pergi schlief schon seit mehreren Stunden unruhig. Immer wieder plagten ihn die seltsamsten Träume.
   »Tinggal«, schrie Pergi und sprang im Halbschlaf auf.
   »Warte!«, sagte Kebaikan, als er sah, dass Pergi davonlaufen wollte.
   Pergi blieb stehen und sah den Drachen an. »Mein Bruder. Ich muss zu meinem Bruder.«
   »Deinem Bruder fehlt nichts. Er schläft unweit von hier. Wenn du möchtest, können wir gemeinsam zu ihm.«
   Pergi nickte hastig und ging zu dem Drachen.
   »Wie sollen wir da hinaufkommen?«, fragte Pergi und zeigte nach oben.
   »Steige auf meinen Rücken, ich trage dich nach oben«, meinte Kebaikan.
   Pergi ging zu den Vorderläufen des Drachen und versuchte darüber auf dessen Rücken zu gelangen. Jedoch rutschte er immer wieder ab. Die Haut war einfach zu glatt.
   »Denke an das, was du möchtest«, sagte der Drache.
   Pergi sah Kebaikan zuerst fragend an, dann stellte er sich vor, wie er auf dem Rücken des Drachen saß. Keine Sekunde später saß er an der Stelle, an die er gerade gedacht hatte.
   »Wie ist das möglich?«, fragte er fassungslos.
   »Das ist ein Teil des Sihir«, antwortete der Drache. »Halte dich gut fest, es geht los.«
   Pergi krallte sich in eine Hautfalte, so fest er konnte. Ein gewaltiges Beben ging durch den Körper von Kebaikan, als dieser sich auf die Beine stellte. Nur wenige Augenblicke später stand der Drache senkrecht an der Wand und kletterte nach oben. Es dauerte einige Minuten, bis Kebaikan mit Pergi auf dem Rücken aus dem Loch kletterte. Nahe des Randes blieb er stehen.
   »Dort drüben liegt er und schläft«, sagte Kebaikan.
   »Danke«, meinte Pergi und rutschte von dem Drachen herunter. »Ich gehe jetzt zu ihm. Was wirst du machen?«
   »Wo immer du auch hingehst, da gehe auch ich hin.«
   »Das geht nicht. Er wird sich zu Tode erschrecken. Und was werden die Leute sagen, wenn sie dich sehen?«
   »Du weißt es immer noch nicht? Versuche dich zu erinnern.«
   »An was soll ich mich erinnern?«
   »An das, wer du bist«, meinte Kebaikan und legte sich hin.
   Pergi durchforstete angestrengt seine Erinnerungen. Zuerst kamen nur einzelne Bruchstücke an die Oberfläche. Aber mit jedem neuen Stück, das er fand, wurden die Erinnerungen verständlicher. Einige Minuten später erkannte er, was der Drache ihm mitteilen wollte.
   »Das kann ich nicht glauben! Das ist unmöglich«, sagte er mehr zu sich selbst, als zu dem Drachen.
   »Es ist so, wie du es in Erinnerung hast. Tu jetzt das, was nötig ist. Wir werden uns wiedersehen.«
   Kurz darauf löste sich der Drache vor Pergi´s Augen auf. Allein stand er vor der riesigen Öffnung im Boden. Traurig und zugleich erfreut wandte er sich von dem Abgrund ab. Nur wenige Augenblicke später stand er an der Feuerstelle, vor der Tinggal schlief. Es war zu früh am Morgen um ihn zu wecken, so setzte sich Pergi neben das Feuer und wartete.