Dreier´s Bücherwelt: Dranchenfreunde


   Das Feuer war bereits vor Stunden erloschen und die ersten Vögel sangen ihr morgendliches Lied, als die beiden erwachten. Tinggal entfachte sogleich das Lagerfeuer, um die Kälte zu vertreiben. Pergi half ihm dabei, indem er in der Umgebung nach geeignetem trockenem Holz suchte. Anschließend stellte Tinggal einen Topf mit Wasser darauf. Als es kochte, warf er einige Blätter hinein. Es dauerte nicht lange und der Duft der Minze stieg Pergi in die Nase. Zu dem Tee aßen sie das, was sie vom Vortag noch übrig hatten. Damit waren die Vorräte aufgebraucht, Tinggal hatte nicht mehr mitnehmen können.
   »Wer oder was ist eigentlich Kebaikan?«, fragte Tinggal, als sie aßen.
   Pergi schaute seinen Bruder verwirrt an. »Woher soll ich das wissen?«
   »Das ist das einzige, was ich verstanden habe, als du im Schlaf geredet hast.«
   Pergi stoppte mitten im Kauen: »Ich habe im Schlaf geredet?«
   Tinggal nickte und meinte: »Ja. Fast die halbe Nacht. Ich frage mich, was du geträumt hast.«
   Pergi überlegte angestrengt, konnte sich aber nicht an den Traum erinnern.
   Nach dem Essen löschte Tinggal das Feuer und packte alles in sein Bündel. Pergi tat es ihm gleich und schulterte seine Habseligkeiten.
   »Wo müssen wir jetzt entlanggehen?«, fragte Tinggal.
   Pergi drehte sich um die eigene Achse. Er hoffte, dass ihm dabei etwas den Weg aufzeigte.
   »Ich weiß es nicht. Vielleicht sollten wir es in dieser Richtung versuchen«, meinte er schließlich und zeigte auf ein Waldstück nahe des Berges Berapi.
   »Dann mal los«, Tinggal schlug die Richtung ein.
   
   Nach etwa drei Stunden hatten sie das kleine Wäldchen erreicht. Es bestand aus dicht nebeneinanderstehenden Laubbäumen. Nach kurzem Zögern betraten sie den Wald. Die Bäume hatten auch im unteren Bereich Äste, so dass sie nur langsam vorankamen. Da die Kronen fast kein Licht durchließen, mussten sie vorsichtig sein, um nicht in die immer wieder vorhandenen Löcher zu treten oder zu fallen.
   »Jetzt laufen wir bereits zwei Stunden hier herum. Bist du dir sicher, dass das der richtige Weg ist?«, fragte Tinggal nach einiger Zeit.
   »Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube mich an diese Gegend zu erinnern.«
   Pergi blieb stehen und sah sich um. Er entdeckte einen Baum, der ihm bekannt vorkam. Zu diesem ging er und befühlte dessen Stamm, dabei schloss er die Augen. Langsam ging er tastend um den Baum herum. Als er das Moos unter seinen Fingern spürte, hielt er inne.
   »Ich glaube, ich war schon einmal hier«, meinte er und tastete weiter.
   Als er den Baum umrundet hatte, öffnete er die Augen und meinte: »Wir müssen hier entlang«, er zeigte in Richtung Berapi.
   Sich weiter durch das immer dichter werdende Unterholz kämpfend, kamen sie nur langsam voran. Nach einer Stunde blieb Pergi, der vorangegangen war, stehen.
   »Was ist los?«, fragte Tinggal.
   »Unmittelbar vor uns müsste eigentlich ein Abgrund sein, aber bei der Dunkelheit kann ich nichts erkennen.«
   »Hier, nimm den Stock und taste damit den Untergrund vor dir ab, bevor du weitergehst.«
   Pergi nahm den Stock und stocherte vor sich den Boden ab. Als er sicher war, dass da kein Abgrund oder Ähnliches war, lief er weiter. Jetzt kamen sie noch langsamer voran, denn nicht nur das Abtasten des Bodens brauchte Zeit, es wurde auch dunkler. Die Sonnenstrahlen schafften es nicht mehr, den Waldboden zu erreichen. Das Blätterdach war zu dicht.