Dreier´s Bücherwelt: Dranchenfreunde


   Unweit des Dorfes befand sich ein zum größten Teil unerforschtes Labyrinth aus Höhlen. Es erstreckte sich über die gesamte Gebirgskette, die sich, bis auf eine kleine Lücke, um die Siedlung schmiegte. Ein von den schneebedeckten Gipfeln gespeister Bach schlängelte sich durch das Tal und schnitt Harapan entzwei. Das Flüsschen versorgte die Bewohner mit frischem klaren Wasser und der Haupteinnahmequelle des Örtchens: Gold und Diamanten. Dies war auch der Grund, warum es immer wieder ein paar Wagemutige in die Höhlen verschlug. Schon viele waren hinein, um sich an den Reichtümern der Berge zu bedienen, jedoch kamen die wenigsten von ihnen wieder heraus. Diejenigen, die es schafften, hatten oft alles verloren, was sie hatten. In ihrer Euphorie setzten sie ihr gesamtes Vermögen aufs Spiel.
   In dem Örtchen gab es Diamantschleifereien und Juweliere. Ebenso gab es eine Bäckerei, einen Fleischer sowie kleinere Geschäfte, die allerlei Waren verkauften. In dem Dorf lebten ungefähr 500 Männer, Frauen und Kinder.
   Etwa einen Kilometer entfernt, am äußersten Ende des Tales, gab es ein kleines Gehöft. Dort lebte Ayah mit seinen beiden Söhnen Pergi und Tinggal. Zu dem Hof gehörten etwa zehn Morgen Land, die sie gemeinsam bestellten. Bewässert wurden die Felder automatisch über ein ausgeklügeltes System durch den vom Gletscher gespeisten Fluss Hidup. Die Ernte boten sie auf dem Markt in Harapan an.
   Pergi war mit seinen zehn Jahren noch sehr verträumt und verspielt. Ständig musste sein Vater ihn ermahnen, nun endlich seine Arbeiten zu verrichten. Da Pergi auf dem Feld nicht zu gebrauchen war, hatte ihn sein Vater dazu eingeteilt, die Tiere zu versorgen. Hierzu zählten zwei Kühe, ein Ochse, zehn Hühner und ein Hahn sowie eine Katze. Aber auch dabei hatte Pergi so seine Mühe. Einmal vergaß er eine der Kühe zu melken, was diese mit lautstarkem Muhen quittierte. Dann vergaß er die Hühner zu füttern, was ihm eine Zurechtweisung seines Vaters einbrachte.
   Sein zwei Jahre älterer Bruder war genau das Gegenteil. Ständig darauf bedacht, seine Pflichten am Hof gut zu verrichten und immer auf der Suche nach neuen Aufgaben. Er war so geschickt in Verhandlungen, dass er auf dem Markt immer einen guten Preis für die Ernte erhielt.