Dreier´s Bücherwelt: Dranchenfreunde


   Während dessen war Floh unterwegs und suchte die Gegend nach den Kundschaftern ab. Maya hörte nicht auf Samanta und beteiligte sich an der Suche, indem sie sich vorwiegend über den Wäldern und Bergen aufhielt. Dort gab es nur vereinzelt Gehöfte, wodurch eine Entdeckung sehr gering war. Mit den Jahren hatte sie gelernt, so unauffällig wie nur möglich zu sein, was bei ihrem Aussehen nicht leicht war. Sie flog über einen kleinen See und danach in eine Schlucht. An beiden Seiten ragten dort die Berge bis in mehrere tausend Meter Höhe auf. Sie hatte Mühe in der Luft zu bleiben, denn durch die Fallwinde wurde sie immer wieder nach unten gedrückt. Manchmal streifte sie dabei einige der Baumwipfel. Um alles absuchen zu können, flog sie im Zickzack. Nach etwa einer Stunde hatte sie das Ende der Schlucht fast erreicht. Hier waren die Fallwinde noch stärker. Es bereitete ihr große Mühe weiter zu fliegen. Ihre Kräfte ließen langsam nach. Sie entdeckte eine kleine Lichtung, auf die sie sogleich zusteuerte. Sie wollte eine Rast einlegen, um wieder zu Kräften zu kommen. Zur Sicherheit umflog sie die Lichtung zuerst in einem sicheren Abstand. Gerade als sie zum Überflug der Lichtung ansetzte, sah sie eine Rauchfahne. Es war ein Lagerfeuer, um das zwei Gestalten saßen. Maya drehte ab und suchte sich in sicherer Entfernung einen Landeplatz. Von dort konnte sie die Gestalten nicht erkennen oder belauschen, aber sie konnte sich etwas ausruhen. Etwa eine halbe Stunde blieb Maya in ihrem Versteck, dann erhob sie sich wieder und versuchte näher an die Fremden heranzukommen. In der Nähe der Feuerstelle gab es einen Felsen, hinter dem keine Bäume wuchsen. Der ideale Platz um nicht gesehen zu werden, aber die Fremden belauschen zu können. Die beiden Fremden unterhielten sich und aßen etwas. Dies machte es Maya leichter, unbemerkt hinter den Felsen zu gelangen.

   »... meinst du, wie lange wir noch brauchen werden?«

   »Ich denke noch etwa zwei bis drei Tage, dann sollten wir die Schlucht durchquert haben. Dann noch etwa zwei Tage bis ...«

   Maya hatte den Ort nicht verstanden, eine Windböe trug die Worte davon. Um das Gespräch besser belauschen zu können, ging sie einen Schritt in deren Richtung. Dabei trat sie auf einen Ast, der mit einem lauten Knacken zerbrach. Die beiden Fremden unterbrachen ihre Unterhaltung und lauschten in die Richtung, aus der das Knacken kam. Maya blieb regungslos stehen.

   »Hoffentlich sehen sie mich nicht.«

   Sie war so aufgeregt, dass sie, ohne es zu merken, einen Schritt zurückging. Auch dabei gab es wieder ein lautes Knacken, als sie auf einen weiteren Ast trat. Jetzt standen die beiden auf und gingen in ihre Richtung.

   »Es kommt von hinter dem Felsen da!«, sagte einer der beiden.

   Sie teilten sich und gingen nun von zwei Seiten an den Felsen heran. Maya konnte dies nicht sehen, aber sie ahnte, was die Fremden vorhatten. Vorsichtig breitete sie ihre Schwingen aus und versuchte abzuheben. Aber die Bäume und der Felsen waren zu nahe, so konnte sie die Schwingen nicht richtig ausbreiten. Es reichte nicht, um abheben zu können. Was sie auch versuchte, der Auftrieb war nicht stark genug. Durch das Schlagen ihrer Schwingen verursachte sie einen Wind, der alles um sie herum, was nicht festgewachsen oder zu schwer war, davonfliegen ließ.

   Die beiden Fremden wollten gerade um den Felsen herum gehen, als ein gewaltiger Sturm losbrach. Ihnen flogen kleine Zweige und Äste, sowie kleinere Steine entgegen. Es war unmöglich weiterzugehen, ohne von den Gegenständen getroffen und eventuell verletzt zu werden. Sie gingen wieder zurück und trafen sich in sicherer Entfernung von dem Felsen.

   »Seltsam, aber ich glaube kaum, dass sich dort etwas halten kann, das für uns eine Gefahr bedeutet. Der Wind ist so stark, dass dort wahrscheinlich nichts leben kann.«

   Der andere nickte zustimmend. Sie gingen wieder zu ihrem Lagerfeuer. Maya versuchte es noch ein paar Minuten, dann gab sie auf. Sie war durch den Versuch abzuheben weiter geschwächt worden. Sie faltete ihre Schwingen zusammen und legte sie an. So sah sie sich um und überlegte, was sie nun tun sollte. Plötzlich hörte sie wieder die beiden Fremden reden.

   »... wann wird wohl der erste Angriff erfolgen?«

   »Sie werden unsere Berichte abwarten. Ich denke, in etwa ...«

   Wieder wurden die Worte vom Wind weggetragen. Maya verfluchte langsam ihre Entscheidung, hier zu landen. Sie konnte die Fremden nicht sehen und nur unzureichend belauschen. Zu allem Überfluss konnte sie nicht einmal mehr davonfliegen. Ihr blieb nichts anderes übrig, als zu warten, bis die beiden weiterzogen. Die Lichtung, auf der sich die beiden Fremden befanden, war zum Abflug für sie groß genug. Von Zeit zu Zeit flogen immer wieder Satzfetzen zu Maya, aber sie ergaben keinen Sinn. Um das Warten zu überbrücken, versuchte sie mit Samanta Kontakt aufzunehmen, was ihr aber nicht gelang. Nach etwa zwei Stunden hörte sie ein Zischen. Die Fremden hatten das Feuer mit Wasser gelöscht und sammelten ihre Sachen ein. Sie sahen sich noch einmal um und brachen auf. Maya beobachtete, wie sie sich von der Lichtung entfernten und im Wald verschwanden. Vorsichtig ging sie um den schützenden Felsen herum auf die Lichtung zu. Dabei versuchte sie so wenig Geräusche zu machen, wie nur möglich. Allerdings lagen sehr viele Äste herum, was das Vorankommen recht geräuschvoll gestaltete. Kaum hatte sie die Lichtung erreicht, da breitete sie ihre Schwingen aus. Langsam schwang sie diese auf und ab. Dabei verursachte sie einen solch starken Wind, dass eine Restglut des Feuers wieder Nahrung fand und aufloderte. Dies bemerkte Maya jedoch nicht. Immer wieder bewegte sie ihre Schwingen auf und ab und gab den Flammen damit neuen Sauerstoff und Nahrung. Etwas schien sie am Boden zu halten, denn egal wie stark sie mit den Schwingen schlug, sie konnte nicht abheben. Nach einer Weile gab sie es auf und legte ihre Schwingen wieder an. Ein leises Knistern ließ sie aufhorchen. Langsam drehte sie sich in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Sie erschrak, als sie die Feuerwand sah. Ein Baum am Rande der Lichtung stand in Flammen, die bereits auf die danebenstehenden übergriffen. Das Feuer wurde von Sekunde zu Sekunde größer. Maya musste sich schnell etwas einfallen lassen, wenn sie nicht eingeschlossen werden wollte. Da das Gras und die Sträucher auf der Lichtung trocken waren, fraßen sich die Flammen auch auf dem Boden voran. Maya versuchte erneut durch Schlagen mit den Schwingen abzuheben. Durch den entstandenen Luftstrom wurden die Flammen weiter angefacht. Das Schlagen mit den Schwingen hatte das Feuer vorangetrieben. Die Lichtung war nun vom Feuer eingeschlossen, die Flammen am Boden hatten Maya fast erreicht. Maya mobilisierte ihre letzten Reserven, schlug ihre Schwingen so kräftig sie konnte auf und ab und sprang in die Höhe. In diesem Augenblick schlug das Feuer unter ihr zusammen, die gesamte Lichtung stand in Flammen. Jetzt konnte sie nicht mehr landen, ohne von den Flammen erfasst zu werden. Voller Verzweiflung schlug sie weiter mit den Schwingen auf und ab. Nur langsam gewann sie an Höhe. Die Flammen wurden größer und züngelten nach ihr. Maya war mit ihren Kräften fast am Ende, da wurde sie von einem Aufwind erfasst und in die Höhe, weit über die Gipfel der Bäume, gehoben. Hier konnte sie sich etwas ausruhen. Die Thermik trug sie, auch ohne dass sie mit den Schwingen nachhalf. Von dort aus sah sie, dass die Lichtung und der angrenzende Wald in Flammen standen. Der Rauch und die Hitze machten es ihr nicht einfach, aber sie versuchte herauszufinden, wo sich die Fremden aufhielten. Vom aufkommenden Wind angetrieben, fraß sich das Feuer in Windeseile in die Richtung, in die die Fremden gegangen waren. Maya musste die Suche abbrechen, da die Hitze und der Rauch zu strak waren. Sie versuchte zuerst so viel an Höhe zu gewinnen, wie nur möglich, dann flog sie gegen den Wind zurück nach Hause.