Dreier´s Bücherwelt


...
   »Hier scheint etwas nicht zu stimmen. Mal sehen, ob ich etwas erkennen kann.«
   Um den Spalt besser sehen zu können, richtete er seine Taschenlampe darauf und sah ihn sich aus der Nähe an. Er war aber zu schmal, um hindurchsehen zu können, oder etwas in dem Spalt versperrte die Sicht. In der Hoffnung einen breiteren zu finden, suchte er alle Fugen ab, die die äußeren Wände mit der vor ihm bildeten. Nach einiger Zeit trat er von der Wand zurück, um sie sich aus einiger Entfernung anzusehen, da bemerkte er rechts von sich etwas. Die Steine an der rechten Wand waren mit seltsamen Zeichen versehen: Es waren wohl Markierungen für die Bauarbeiter. Jeder Stein hatte eine andere, auf der linken Wand schien dies genauso zu sein. Er strich gerade mit dem Lichtkegel seiner Taschenlampe über die rechte Wand, als er plötzlich in der Bewegung verharrte. Einem der Steine hatte man einen Stern eingeritzt.
   »Was ist denn das!?«
Er ging näher an den Stein heran und betrachtete diesen genauer. Der Stern hatte in der Mitte eine kleine Vertiefung, die nicht größer als sein kleiner Finger war. Langsam und nachdenklich strich er mit dem Zeigefinger über das Symbol. Mit seinem kleinen Finger versuchte er, das Innere des Loches zu untersuchen, und steckte diesen hinein.
   »Aua!«, schrie Sven vor Schmerzen, zog den Finger wieder heraus und steckte ihn in den Mund. Langsam ließ der Schmerz nach und ein metallischer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus. Er nahm den Finger wieder heraus und betrachtete ihn. Auf der Fingerkuppe hatte sich ein Blutstropfen gebildet, den er mit einem Tuch aus seiner Hosentasche abtupfte. Die Blutung hörte nach kurzer Zeit auf, so dass er keinen Verband anlegen musste. Er untersuchte den Stern noch einmal und leuchtete mit der Taschenlampe in das Loch, in das er den Finger gesteckt hatte.
   »Wozu soll das denn sein?«
   Er dachte, dass man vielleicht etwas hineinstecken müsste, woraufhin er den Boden nach einem geeigneten Gegenstand absuchte. Da er nichts finden konnte, wandte er sich der gegenüberliegenden Wand zu, wo es ebenfalls die Zeichen der Bauarbeiter gab. Er hoffte auch dort einen Stern zu finden, fand diesen aber nicht. Allerdings entdeckte er in gleicher Höhe, wie der Stern auf der anderen Seite, einen Kreis, in dem sich ein kleinerer befand, der etwa die Größe des Loches im Stern besaß. Mit seinem Zeigefinger zeichnete Sven die beiden Kreise nach, dabei bemerkte er, dass der äußere breiter als der innere war. Er versuchte den äußeren Ring hinein zu drücken, worauf dieser mit einem Ruck ein Stück in die Wand glitt, so dass der innere als Stift herausragte.
   »Vielleicht kann man den Stift ja herausnehmen.«
Sogleich versuchte er den Stift herauszuziehen, was ihm aber nicht gelang. Danach versuchte er ihn hineinzudrücken, worauf dieser nachgab und langsam in der Wand verschwand. Der äußere Ring fing dabei an sich nach rechts zu drehen. Sven wollte sich das alles genauer ansehen und ging näher heran. Plötzlich vernahm er ein leises Zischen in seinem Rücken. Erschrocken blickte er nach hinten, sah gerade noch, dass sich etwas von der Wand hinter ihm löste und auf ihn zu raste. Um nicht getroffen zu werden, duckte er sich. Der Dorn, an dem er sich den Finger gestochen hatte, verfehlte ihn nur um Haaresbreite. Als Sven wieder zu dem Kreis sah, bemerkte er, dass sich der Dorn in den kleinen Kreis gebohrt hatte. Seltsamerweise hing ein Faden am Ende des Dorns, der zum Zentrum des Sterns führte. Nachdenklich schaute Sven die Konstruktion an. Auf einmal hörte er ein leises Knirschen, das ihn erschreckte. Er schaute sich um und sah, dass die Wand, die eben noch den Gang versperrte, zur Seite glitt und einen dahinter liegenden Tunnel freigab. Sven lief vor Begeisterung und Angst ein Schauer über den Rücken. Langsam hob er seine Taschenlampe und leuchtete in den freigegebenen Tunnel, aber dieser war länger als der Lichtkegel reichte. Ängstlich, sich umherblickend, ging er auf den Eingang zu. Als er im Durchgang stand, sah er sich diesen genauer an, konnte jedoch nichts Ungewöhnliches entdecken. Kaum hatte er einen weiteren Schritt in den Tunnel gesetzt, als ein leises Geräusch, das sich anhörte, als ob Metall auf Stein schlug, an sein Ohr drang. Erschrocken drehte er sich um und erstarrte: Der Durchgang, durch den er gerade gegangen war, schloss sich wieder.
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